Karottensalat provenzalisch (salade de carottes à l'istréenne)

  • May 15, 2005 18:55

Das folgende Rezept habe ich von meinem Uni-Trip nach Istres-en-Provence mitgebracht. Gegessen und für sehr gut befunden. Der Clou an der ganzen Geschichte ist die Wahl des Olivenöls. Grundsätzlich kann man natürlich alle Öle benutzen, die man kennt. Aber nur ein vollmundiges, aromatisches und nicht bitteres Olivenöl macht aus dem einfachen Salat eine sommerliche Delikatesse!

Man braucht…
6 große Möhren (geschält)
1 Zitrone
4 große Knoblauchzehen
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Die Möhren auf einer Reibe raspeln. Natürlich nicht zu fein, aber auch nicht zu grob. Diese Arbeit läßt man am besten von einem Küchensklaven verrichten, der eigentlich nicht kochen kann, aber wiederum das Gefühl vermittelt bekommen muss, nicht gänzlich unnütz zu sein.

Knoblauchzehen in den Haufen geraspelter Möhren pressen. Den Saft der Zitrone daraufgeben. Ich mag es gerne sehr kräftig. Wer es lieber mild mag, sollte nicht den gesamten Zitronensaft auf einmal hineinzugeben. Lieber nach Geschmack hinzufügen. Außerdem gebe ich meist noch zwei Esslöffel Wasser dazu. Kräftig salzen und mit Pfeffer aus der Mühle nicht geizen. Den Salat umrühren, damit die Marinade sich gleichmäßig verteilen kann.

An dieser Stelle hat man zwei Möglichkeiten:
1. gleich fortfahren oder
2. den Salat eine halbe Stunde ziehen lassen.

Ich bevorzuge i.d. Regel Nr.2. Aber wie wir wissen: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Wie auch immer – nun das Olivenöl hineingeben. Mindestens 4 Esslöffel. Aber das ist nur eine kleine Hilfsangabe. Ich gieße es nach Gusto über die Karotten. Der Olivengeschmack sollte jedoch beim Probieren den Geschmacksnerven präsent sein. Das heißt, dass man nicht nur drei Tröpflein nehmen sollte. Allerdings wäre es auch nicht im Sinne des erfinders, wenn die Raspeln in 3 Liter Öl schwämmen.

Und fertig ist der Salat für 2 Personen. Angerichtet in einer großen Schüssel ist er auch noch hübsch anzusehen. Dazu reicht man Baguette oder ein anderes knackiges Weißbrot.

Ken Follet oder wie verdummt man seine Leser

  • May 11, 2005 19:19

Kurz nach meinem Examen dachte ich mir: ‘Ich lese jetzt mal leichte Kost, ich will jetzt schnell ein paar Bücher runterreißen.’ Also stellte ich mich vor unserem Bücherregal auf. Martin hat, was anscheinend eine männliche Attitüde ist, sehr viele Romane von Ken Follet und John Grisham in der Bücherwand. ‘Ach, warum nicht mal sowas?’

Gedacht, getan. Mein “erster Follet” ist der dritte Zwilling. Ich fange an zu lesen und frage mich, weshalb ich das nun mache. Aber ich lese weiter und ärger mich über einen derartigen Blödsinn. Die Klonzwillinge und die dünnbrüstige aber ansonsten drahtige Wissenschaftlerin, die sich durchboxt und einen Skandal aufklärt. Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen, viele Seiten konnte ich überblättern, da eh nur Mist daraufstand.

Aber ich konnte mir nach diesem hirnrissigen Buch nicht vorstellen, weshalb Follet so erfolgreich ist. Ich las daher die Leopardin, in der Hoffnung, dieses Buch könne mir seinen erfolgreichen Stil verdeutlichen.

Gleiches Konzept, andere Story. Kleine, dünnbrüstige aber ansonsten drahtige Spionin, die sich durchboxt und in Reims einen erfolgreichen Anschlag auf das Hauptquartier der Nazis verübt. Ganz toll. Man konnte wieder überblättern. Bei einigen Szenen im Buch habe ich mich nur geärgert, dass man Dinge so platt und unverhohlen beschreiben kann. Echt mies.

Nach den beiden Büchern kommt mir der Autor wie ein kleiner Perversling vor, der seine Hollywood-Phantasie in seinen Büchern auslebt. Fies. Und ohne tieferen Sinn. Das ist Pulp Fiction, aber leider ohne Kultstatus. Pulp-Literatur hat durch den Rahmen des Pulps einfach schon wieder einen tieferen Sinn, bei Follet bleibt das leider aus.

Da ist für mich nichts zu erkennen, was lohnenswert ist. Aber weshalb sind seine Bücher so erfolgreich? Ich kann es nicht verstehen. Der Plot wird mit Sex und blutigen Gewaltszenen ausgeschmückt. Und das war’s. Am Ende siegen die Guten gegen die Bösen. Hm… In der Realität siegt im Falle Follet die Vermarktung der Verlage über die Intelligenz der Bürger. Herzlichen Glückwunsch.

Tisch- und Esskultur

  • May 10, 2005 12:28

Habt Ihr Euch auch schon einmal dabei erwischt, dass Ihr Menschen am liebsten entweder auf den Mond schießen oder einfach nur wachrütteln könntet, weil sie alle neuen Gerichte, welche sich auf ihrem Teller einfinden, entweder sofort verweigern oder mit Ausdruck von Ekel versuchen und schließlich zur Seite schieben?

Diese Erfahrung habe ich im Herbst 2004 gemacht und war manches Mal kurz davor, an der Kleingeistigkeit meiner Mitmenschen zu verzweifeln. Ich nahm an einer Exkursion der Universität teil, die 18 Studenten, Studentinnen und mich in die Provence, in das kleine Städtchen Istres-en-Provence führte. Unsere Gruppe logierte in einer einfachen Herberge am Etang de Berre. Die Zimmer waren wie kleine Ferienappartments mit 4 Betten gestaltet und hatten einen Balkon, der zum See zeigte. Wunderbarer Ausblick und tatsächlich recht komfortabel. Dreimal täglich wurden wir von dem patron Monsieur Lambert verpflegt. Das Frühstück fiel typisch französisch aus – also nicht der Rede wert. Mittag- und Abendessen waren jeweils als dreigängige Menüs konzipiert, was an sich allein schon bemerkenswert ist.

Aber die Tatsache, dass nach französischer Art zweimal täglich ein Menü aufgefahren wurde, überforderte so machen deutschen Geist. Man könnte fast sagen, dass es für reichlich Zündstoff sorgte. Die Damen erregten sich darüber. Zudem ziemte es sich ihrer Meinung nach nicht, zweimal täglich Fleisch zu essen. Ach, wie schön, dass ich mir darüber eigentlich im Urlaub keine Gedanken mache. Urlaub ist nicht Alltag, und da könnte von mir aus fünfmal pro Tag ein Menü mit Fleisch aufgefahren werden. Auch o.k..

Aber nein, es war eben nicht ordnungsgemäß. Aber man regte sich nicht nur über die üppigen Menüs auf, es gab ja noch viele Dinge mehr, die es verdienten, bei Tisch lauthals kritisiert zu werden. Da war beispielweise das Steak nicht durchgebraten. Ohjeh! Es war à point. Wunderbares Fleisch von zarter Qualität und saftiger Konsistenz. Ich dachte, meine Ohren würden mich trügen, als eine Kommilitonin ganz selbstlos der Gruppe erklärte: “Wir sollten dem Küchenchef sagen, dass hier keiner blutiges Fleisch mag.” Nur noch eine einzige weitere Seele schloss sich mir an, als ich bemerkte, dass so durchgebratene Schuhsohlen einfach schrecklich seien, weshalb ich auf à point beim Rind Wert legen würde. Strafende Blicke von Mutter Gütig, die doch versucht hatte, sich für die gesamte Gruppe einzusetzen. Tja, das ging wohl in die Hose.

Es kam außerdem zum Eklat, als eines Tages gegrillte Makrelen im Ganzen serviert wurden. “Ihhhhhhhhhhhhh, Fisch – und dann noch ganz!!!!!! Da sieht man ja noch die Augen. Und der Mund!!! Wie ekelhaft.” Frische Ware, nicht zu lang und nicht zu kurz gegrillt. Ich weiß immer noch nicht, was die Damen eigentlich hatten. Meine Theorie: die kaufen nur abgepackte Sachen aus dem Supermarkt, was nicht mehr an das Tier erinnert. Und Fisch wird nur in Form von Fischstäbchen verzehrt. Prima.

Als eines Tages zur Vorspeise Artischocken mit Vinaigrette gereicht wurden, waren wieder 85% der Gruppe überfordert. “Wie soll ich das denn essen?” “Wie? Man muss die Blätter abzupfen und abkauen? Igitt!” “Nee, das esse ich lieber nicht…”

In solchen Momenten habe ich mich gefragt, weshalb ich mich mit einer Gruppenreise bestraft habe. Wo leben die Menschen eigentlich? Was essen sie überhaupt?

An einem Tag gab es dann Lasagne. Matschige und gar nicht gute Lasagne.

Stellt euch mal vor, was da an den Tischen los war! Man prügelte sich um die Pampe. Susanne, die die Tage lieber hungerte als was von dem französischen Essen zu probieren, schlug sich den Pansen voll. Mehrmals hatte ich schon neben ihr gesessen und war dadurch in ihren Genuss gekommen. Sie hatte die Angewohnheit, ihren Sitznachbarn über den Teller zu greifen, um an Brot oder Salz zu gelangen. Egal, ob man gerade dabei war, sich das Essen in den Mund zu schieben oder nicht. Sie fasste einfach über den Teller. Wenn ich daraufhin meinte, sie könne mich dann doch auch bitten, das Objekt der Begierde herüberzureichen, lief sie rot an und brummte irgendwas, das ich nicht verstehen konnte.

Wieder einmal saß ich neben Susanne. Es gab Gnocchi. Fröhlich schwang sie wie Gabelfix ihr Besteck, nachdem sie sich zunächst den unbekannten Klösschen misstrauisch genähert hatte. Langsam kam ich mir schon wie ein Schlaumeier vor, der seiner Umwelt die Dinge erklären müsse. Naja, jedenfalls erklärte ich, dass es sich um Gnocchi handele. Die seien übrigens nichts besonderes, selbst bei Lidl oder Aldi in Deutschland bekäme man diese Kartoffelklösschen im Kühlregal. Affarensis-Susanne glotzte ungläubig. Ach, das war köstlich. Die Situation musste ich weiter ausbauen… Daher lieferte ich noch eine Beschreibung von Kürbisgnocchi mit Salbei-Knoblauchbutter und bemerkte beiläufig, dass das einfach zu machen und fast schon billig sei. Susanne wagte es nicht mehr, über meinen Teller zu greifen.

Meine Frage am Ende der Exkursion war, ob das Essen in der Uni-Mensa derartig den menschlichen Geschmack negativ beeinflussen kann. Woher kommen bloß geschmackliche Kleingeistigkeit dieser Art? Diese Fragen werden unbeantwortet im Raum stehen bleiben. Ich werde mir jetzt lieber mal was zu Essen machen. In diesem Sinne – lasst es Euch schmecken.

P.S. Ferien in Istres-en-Provence solltet Ihr hier verbringen:
http://membres.lycos.fr/misenvi/page25.html
Gepflegte Zimmer mit Balkon und tollem Ausblick, ihr könnt auch selbst im Appartment kochen. Falls man dazu keine Lust hat, kann man prima in dem Restaurant der Anlage essen. Ist zwar nicht sehr gemütlich, aber das Essen ist gut und abwechslungsreich. Außerderm sind die Wirte, das Ehepaar Lambert, sehr nett. M. Lambert hat einen kleinen Olivenhain, aus dem auch Olivenöl gewonnen wird. Man kann das wunderbare Öl, nach dem man süchtig wird, bei ihm kaufen.