Gestern wollten Martin und ich abends etwas essen gehen. Aber wohin? Ich konsultierte also unseren Mainzer Kneipenführer mit dem Wahnsinns-Titel “Wo die Nacht den Doppelkorn umarmt”. Die Wahl fiel schließlich auf ein Restaurant unter der Rubrik “deutsche Küche”. Wir fuhren in den Mainzer Hof in der Oppenheimerstrasse in Mainz-Laubenheim. Klang nämlich alles ganz nett und unkompliziert. Auch das Essen wurde nicht schlecht bewertet.
Von außen sieht das Restaurant sehr ansprechend aus: Gebäude im pfälzer Zinnsoldatenstil. Aber bei Betreten der vier Wände ändert sich alles auf einen Schlag. Es erwartete uns eine richtig fiese Einrichtung. Mein erster Gedanke war: Dorfpinte auf Fein getrimmt. Und tatsächlich. Um uns herum saßen die Laubenheimer Bauern, die ich als Nordlicht nicht annähernd verstehen konnte. Marke althochdeutsche Zaubersprüche.
Dann kam die Karte. Eine sehr große Auswahl. Griechisch-italienisch-deutsch. Also was nun? Ein sogenanntes “g.i.d.-Sortiment”. Von Wiener Schnitzel über Schnitzel Hawai (Loriot lässt grüßen – schmeckt’s?) zu Farfalle und Souflaki. Ich konnte meinen Freund gerade noch davor bewahren, ein Seezungenfilet für 12 Euro zu bestellen. Wir bestellten schließlich gebackenen Feta als gemeinsame Vorspeise, Rumpsteak mit Kräuterbutter (Martin) und einen gemischten Fleischteller auf dem ein Bifteki und ein Schweinespieß war.
Die Vorspeise war der erste Streich. Vorgefertigtes Gummi im Panademantel. Von Feta nichts zu merken. Der Kram war schnell aus dem TK-Großverbraucherbeutel in die Friteuse geworfen worden. Schmeckte ganz gemein. Wie Gummi. Ohne Geschmack und mit viel, sehr viel Panade. Langsam verschlechterte sich auch die Stimmung an unserem Tisch. Nach dem Motto: was ich Dir schon längst mal sagen wollte, aber Dir jetzt mal auf die Schuhe kotzen muss.
Mitten in den schönsten Tischgesprächen (“Wir sollten jetzt das Thema wechseln, da es ja eh keinen Zweck hat…”) wurden die Hauptgerichte aufgefahren. Berge von Pommes frites und Fleisch, was ja zu erwarten war. Bifteki war o.k. – das ist ja nun auch keine Kunst. Mein Schweinespieß war eine einzige Katastrophe: Fettes Fleisch, das schon überfällig war. Ich war sozusagen die Gelegenheit, das alte Fleisch noch schnell vor dem Mülleimer zu bewahren. Unglaublich. Aber auch Martins Rumpsteak hatte bereits dieses beißende Aroma, das eindeutig vom Alter der Ware abhängt. Mein Schwein blieb unberührt liegen.
Wie kann man nur als Koch so etwas verantworten? Ich kann mir das beim besten Willen nicht erklären. Da lobe ich mir doch die ganz ehrlichen Wirtshäuser, die nicht auf Fein getrimmt werden und nach wie vor nur eine Karte mit zehn Gerichten haben, die die Dorfbewohner schätzen und lieben. In solchen Lokalen ist die Qualität jedenfalls gut. Vergammeltes Fleisch findet sich dort nicht auf den Tellern.
Unsere Erfahrung im Mainzer Hof ist also sehr gegensätzlich zu unserem Restau-Führer ausgefallen:
Meidet dieses Restaurant. Qualitativ ein absolutes Desaster.