Brieffreundschaften

  • June 30, 2005 10:45

Meine erste Brieffreundin war Frances aus Bay City, Michigan. Mit elf Jahren war mein Englisch nicht gerade super, aber es reichte, um elementare Dinge auszudrücken. Photos und Süßigkeiten wurden ausgetauscht. Aus einer fernen Welt kamen regelmäßg Neuigkeiten. Mit dieser Brieffreundin blieb ich bis vor sechs Jahren in Kontakt. Zwar nicht mehr so stetig wie früher, aber es gab sie noch. Mittlerweile waren wir beide im Studium. Frances in Kalamazoo und ich in Mannheim. Und dann brach der Kontakt ab.

Februar dieses Jahres dachte ich eines Nachmittags an Frances. Ich fragte mich, wie es ihr wohl gehe, ob sie noch in Kalamazoo sei. Eine Stunde später schaute ich in meine Mailbox. Da war eine E-mail von ihr.

Seltsam, oder?

Und heute nachmittag hole ich Frances vom Flughafen Frankfurt ab. Sie bleibt ein paar Tage bei uns, bevor sie weiter nach Paderborn fährt, um dort für ein Jahr zu studieren. Ich bin ganz aufgeregt. Das ist so unglaublich toll. Meine Brieffreundin aus Bay City kommt hierher.

Aber nicht nur sie hat mich wiedergefunden. Auch meine alte Brieffreundin aus Nordirland, Shelley, hat mich über das Internet aufgespürt. In der Pubertät war sie eine sehr wichtige Person für mich. Briefe über 16 Seiten wechselten die Seiten. Über Verliebtsein, Schule und und und schrieben wir uns die Finger wund. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, was man so auf 16 Seiten schreiben konnte. Wir schickten uns Kassetten mit unseren liebsten Songs, sprachen uns was vor, telefonierten ein paar Mal und vertrauten uns Dinge an, die sonst niemand erfuhr. Und dann mit 16 Jahren brach der Kontakt ab.

Vor ein paar Wochen erhielt ich dann eine E-mail. Eine riesige Freude meinerseits. Sie ist wieder da! Lebt in Belfast und arbeitet als Bio-Medizinerin. Wir sollten uns bald sehen. Es gibt ja Ryan Air!

Jetzt flattern also weniger Briefe ins Haus. Dafür Mails und eben auch die Personen, die mir ihre Zeilen schrieben. Das Leben bringt so richtig viel Spaß!

Kürbis ohne Ende

  • June 29, 2005 13:07

Stets der Überzeugung, keinen grünen Daumen zu haben, bin ich seit geraumer Zeit auf dem Pflanz-Trip. Und das Tolle daran ist, dass plötzlich alles blüht, wächst und gedeiht. Im letzten Herbst habe ich dann ein paar Kerne von einem Muskatkürbis sowie von einem Hokkaidokürbis getrocknet, mit dem Vorsatz, diese auch einzupflanzen. Schließlich bin ich in diesem Jahr in die Pflanzaktion hineingeschlittert. Die Kerne hatten versehentlich Feuchtigkeit abbekommen und fingen auf einmal an zu keimen. Da ich für ein paar Tage wegfahren musste, legte ich sie dann in den Kühlschrank. Bei Rückkehr, hatten sich schon die ersten Anzeichen für eine Wurzelbildung angekündigt.

Panik! Es war doch erst Mitte März! Die Dinger wuchsen in atemberaubender Schnelligkeit und hatten auf einen Schlag kleine grüne Blätter gebildet. Also rückte das richtige Anpflanzen näher. Mitte April schleppte ich auf unseren Balkon Kübel und Erde und setzte die kleinen Sprösslinge ein.

Nun stehe ich, es ist mittlerweile fast Juli, den sechs Pflanzen ungläubig und sprachlos gegenüber. Die wachsen in einer ICE-Geschwindigkeit mir beinahe über den Kopf. Um nicht zu sagen, die Kürbispflanzen sind die wahre Pest. Und ich habe sie bislang noch nicht einmal gedüngt. Eigentlich habe ich das auch nicht vor. Überall kündigen sich schon die Blüten an und wecken in mir die Befürchtung einer Kürbisplage im Herbst! Falls die Ernte tatsächlich so ausfallen sollte, wie ich es mir in Hinblick auf die derzeitige Situation vor meinem geistigen Auge ausmale, so könnte die ganze Familie über Wochen nur von Kürbis leben.

Ich bin schon sehr, sehr gespannt. Eben habe ich Draht als Rank-Hilfe am Balkongeländer gespannt und frage mich noch, wie ich es vollbringen kann, dass eine Pflanze an einer vertikalen Verstrebung, die an dem Balkon vorhanden ist, in die Höhe rankt. Na, da wird mir schon noch was einfallen.

Wenn ich mir Seiten im Internet über Kürbisanbau durchlese, habe ich allerdings immer den Eindruck, dass es sich dabei um eine hohe Kunst handele und mein Projekt ganz klar zum Scheitern verdammt ist. Allerdings hoffe ich doch stark, dass sich meine Kürbisse, aller Fachsimpelei zum Trotze, durchsetzen werden!

The Carpet Crawl

  • June 28, 2005 17:29

Ich habe den nächsten CD-Laden angesteuert und mir meine erste Genesis-Scheibe meines Lebens gekauft. Ein weiteres Mal drängte sich mir die Frage auf, weshalb ich eine Schwäche für die älteren Baujahre habe. Das Album, auf dem Carpet Crawl drauf ist, wurde 1977 aufgenommen.

Tja, da klingt tatsächlich das Erbe Pink Floyds durch. Der Text ist auch eine einzige Arabeske… zum Eintauchen und Weggetragenwerden.

The Carpet Crawl ist pulsierend durch die Sechzehntel im Synthie, gleichzeitig aber statisch, was durch die wenig bewegenden Harmonien und die breitflächige Instrumentation hervorgerufen wird (Roger Waters lässt grüßen). Der Song ist wie ein Klangteppich. Die Gesamt-Atmo ist irgendwie dizzy.

Es klingt nach einem heißen, brütenden Sommertag.

Wenn ich die Augen zur Musik schließe, kann ich dieses Gefühl verspüren. Das Gefühl von heißer Sonne, leichtem Wind, Insektengeschwirr und sich bewegenden Gräsern. Das Gefühl, auf so einer Wiese zu liegen und den eigenen Gedanken nachzuhängen und sich wegzuträumen.

Der sonore Bass geht durch und durch. Eine einfache Figur, aber so wunderschön sparsam zu den manchmal ausbrechenden Gesängen von Phil Collins.

Hätte nie gedacht, dass ich eines Tages auf Genesis abfahren könnte.
Aber jetzt habe ich endlich mal wieder einen Sommersong, der mein Lebensgefühl ausdrückt.

Ich werde gleich abheben… … … … C.U.


The Carpet Crawl (Lyrics)