Meine erste Brieffreundin war Frances aus Bay City, Michigan. Mit elf Jahren war mein Englisch nicht gerade super, aber es reichte, um elementare Dinge auszudrücken. Photos und Süßigkeiten wurden ausgetauscht. Aus einer fernen Welt kamen regelmäßg Neuigkeiten. Mit dieser Brieffreundin blieb ich bis vor sechs Jahren in Kontakt. Zwar nicht mehr so stetig wie früher, aber es gab sie noch. Mittlerweile waren wir beide im Studium. Frances in Kalamazoo und ich in Mannheim. Und dann brach der Kontakt ab.
Februar dieses Jahres dachte ich eines Nachmittags an Frances. Ich fragte mich, wie es ihr wohl gehe, ob sie noch in Kalamazoo sei. Eine Stunde später schaute ich in meine Mailbox. Da war eine E-mail von ihr.
Seltsam, oder?
Und heute nachmittag hole ich Frances vom Flughafen Frankfurt ab. Sie bleibt ein paar Tage bei uns, bevor sie weiter nach Paderborn fährt, um dort für ein Jahr zu studieren. Ich bin ganz aufgeregt. Das ist so unglaublich toll. Meine Brieffreundin aus Bay City kommt hierher.
Aber nicht nur sie hat mich wiedergefunden. Auch meine alte Brieffreundin aus Nordirland, Shelley, hat mich über das Internet aufgespürt. In der Pubertät war sie eine sehr wichtige Person für mich. Briefe über 16 Seiten wechselten die Seiten. Über Verliebtsein, Schule und und und schrieben wir uns die Finger wund. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, was man so auf 16 Seiten schreiben konnte. Wir schickten uns Kassetten mit unseren liebsten Songs, sprachen uns was vor, telefonierten ein paar Mal und vertrauten uns Dinge an, die sonst niemand erfuhr. Und dann mit 16 Jahren brach der Kontakt ab.
Vor ein paar Wochen erhielt ich dann eine E-mail. Eine riesige Freude meinerseits. Sie ist wieder da! Lebt in Belfast und arbeitet als Bio-Medizinerin. Wir sollten uns bald sehen. Es gibt ja Ryan Air!
Jetzt flattern also weniger Briefe ins Haus. Dafür Mails und eben auch die Personen, die mir ihre Zeilen schrieben. Das Leben bringt so richtig viel Spaß!