Dieses Zitat stammt aus dem Zauberberg von Thomas Mann. Als ich diese Zeilen las, spürte ich ein wenig Trost. Trost deshalb, weil diese Worte zum Ausdruck bringen, dass die Menschen, die kein Leid erfahren, bei denen stets alles so reibungslos und beneidenswert friedlich zugeht, einfach nur gewöhnlich und brav sind.
Mit diesen Worten wird menschliches Leid, die Seelenqual, geadelt – ja, sogar als “genialer Weg” bezeichnet.
Ich denke, dass jener Weg in den Augen Hans Castorps deswegen genial ist, weil der Mensch Grenzerfahrungen mit sich und seiner Existenz macht. Am Rande vom Leben und in Sichtweite des Todes, des herben Verlustes, sammelt ein Mensch sehr wichtige Erfahrungen, die von der Kostbarkeit und eben nicht von der Selbstverständlichkeit künden. Der seidene Faden wird sichtbar und damit erhält das Leben eine besondere Dimension. Was sind schon die irdischen Dinge und Sorgen im Vergleich zum Tod?
Wir können uns letztendlich nicht aussuchen, welchen Weg wir gehen – den einfachen oder schweren. Wird uns der Schwere auf die Schultern gelegt, besteht die Kunst darin, alles, was wir an Erfahrungen über uns als Menschen sammeln können, mitzunehmen, uns zu erheben und mit starkem Kreuz und erhobenen Hauptes die Lasten bis an das Ende unseres Weges ohne Klagen zu tragen.
Das ist tatsächich genial, weil die Menschen, die den Umweg über den Tod und seine Nähe genommen haben, etwas wissen, was andere Menschen nicht sehen können. Das Denken und Fühlen verändert sich und wird sehender.
Ich klage nicht.
Auch ich kann nicht besser klagen