Ausflug nach Gion, Kyoto

  • June 10, 2005 12:11

Es gibt einfach Bücher, die muss man in einem Rutsch durchlesen. Und jedes Mal, wenn man eine Pause einlegen muss, schmerzt es. Über Pfingsten hatte ich so ein Buch in den Händen. Ich wollte es schon länger lesen. Als ich meine Mutter in Norddeutschland besucht und ich kein Buch dabei hatte, war die Zeit reif für “Die Geisha” von Athur Golden.

Das Buch ist die rückblickend erzählte Lebensgeschichte aus der Ich-Perspektive eines Fischermädchens namens Chiyo, welche als Achtjährige an ein Geisha-Haus in Kyoto verkauft wird. Als Geisha erhält sie schließlich den Namen Sayuri und steigt nach unglücklichen Jahren als Dienstmädchen im Geisha-Haus zu einer der begehrtesten und bekanntesten Geisha Japans auf.

Obgleich sich das Vergnügungsviertel Gion in Kyoto seit den dreißiger Jahren sicher sehr stark verändert hat und die Geisha-Kultur vielleicht nicht mehr die gleiche Bedeutung hat, habe ich eine unbändige Lust und Neugier, mir Gion anzuschauen. Am Spätnachmittag oder frühen Abend soll man mit etwas Glück wohl hier und da eine Geisha auf dem Weg zu einer Gesellschaft sehen.

Eine seltsame Kultur. Heutzutage kostet wohl eine Abendgesellschaft mit einer Geisha pro Person ab 50.000 Yen. Das ist anscheinend der günstigste Fall. Außerdem kann man nur hoffen, von einem Japaner dort eingeführt zu werden. Das ist einerseits faszinierend, andererseits mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ich begreife die Erotik, die eine Geisha ausstrahlt, nicht. Ich verstehe nicht, warum es erotisch ist, dass man am Rand der weißen Schminke die Haut sehen kann. Weshalb gilt es als verführerisch, wenn der Nacken oder die Unterarme freiliegen? Da haben wir es. Europäische Aufklärung contra Shinto.

Die Spannung steigt. Wenn man selbst dort ist, die Atmosphäre des Landes inhaliert, Menschen sieht und kommuniziert, werden einem einige Aspekte klarer. Sicher kann man eine alte Kultur als Außenstehender nicht komplett durchdringen, doch das Chaos erhält den erhellenden Logos.

Reisefieber oder die süße Furcht vor dem Unbekannten

  • June 2, 2005 11:56

Was bedeutet heute schon noch eine Reise? Man kann mit Ryan Air problemlos Europa abklappern und auf Deubelkommraus oder via Internet Unterkünfte finden. Reisen hat somit beinahe schon etwas sehr alltägliches in der westlichen Welt.

Wer leidet schon unter dem sogenannten Reisefieber, wenn es nach Norwegen, Polen, Italien oder Ungarn geht? Ich denke, dass diese Abstumpfung daher rührt, dass wir tagein tagaus mit Bildern aus den westlichen Ländern bombadiert werden. Beispielsweise war ich noch nie in Griechenland, kann mir jedoch bereits ungefähr vorstellen, was mich dort erwarten wird. Sicher, die spannende Reiserealität wird mich auch dort fesseln, aber es fehlt dieses kitzelnde Reisefieber.

Vor drei Jahren bin ich allein nach Beijing gereist, und ich erinnere mich, dass ich da zum ersten Mal, seitdem ich als kleines Mädchen vor Aufregung wegen einer Nachtzugfahrt nach München nicht schlafen konnte, so richtig vor Nervosität durch den Wind war. Es war eine Mischung aus Freude über die bevorstehende Reise, unbändige Neugier, was mich dort erwarten würde, und auch dieses Fünkchen Angst vor dem Unbekannten. Ich behaupte, dass macht das Reisefieber aus!

Das Schöne und tatsächlich unbeschreibliche Gefühl, das eintritt, wenn sich das Fünkchen Angst in Sicherheit wandelt, ist das schönste Reisegefühl überhaupt. Ich entdecke eine neue Welt, die mir zuvor verschlossen war, entdecke eine neue Sprache, die sich mir ein klein wenig erschließt, eine Kultur, die mich mitreißt in ihren wilden Strudel… Reisen als das Besiegen der eigenen Angst vor dem Unbekannten. Ist das eine neue Therapieform? Hm… vielleicht!

Diesen Sommer gibt es wieder ein solches Erlebnis. Mein Freund Martin und ich werden nach Japan fliegen. Gut, zwar nur für 16 Tage, was jetzt schon als viel zu wenig Zeit erscheint, aber besser als gar nicht, oder? Seit gestern kümmere ich mich um die Reiseroute und lese mich in die kulturellen Besonderheiten ein. Da erfasst es mich doch wieder, dieses Reisefieber! Zwar in einem anderen Maße als vor meinem Trip nach China, da ich nicht allein reisen werde, aber es ist da! Wie wird es mit der Sprache sein? Japaner sind wohl nicht die unbedingten Englisch-Cracks… Wie wird es dort sein? Wie wird das Essen sein? Ich freue mich schon auf die Herausforderungen, die sich uns zeigen werden.

Was natürlich ein Riesen-Plus ist: Wir werden in Japan auf zwei Bekannte treffen, die dort leben. Also erhalten wir einen Teil der Zeit einen Crash-Kurs in Sachen Japan für Langnasen. Doch wir werden uns auch alleine durch das Land bewegen. Oh Gott, darauf freue ich mich schon so!

Nur noch sechs Wochen… Ich sollte das Kribbeln voll auskosten!