Es gibt einfach Bücher, die muss man in einem Rutsch durchlesen. Und jedes Mal, wenn man eine Pause einlegen muss, schmerzt es. Über Pfingsten hatte ich so ein Buch in den Händen. Ich wollte es schon länger lesen. Als ich meine Mutter in Norddeutschland besucht und ich kein Buch dabei hatte, war die Zeit reif für “Die Geisha” von Athur Golden.
Das Buch ist die rückblickend erzählte Lebensgeschichte aus der Ich-Perspektive eines Fischermädchens namens Chiyo, welche als Achtjährige an ein Geisha-Haus in Kyoto verkauft wird. Als Geisha erhält sie schließlich den Namen Sayuri und steigt nach unglücklichen Jahren als Dienstmädchen im Geisha-Haus zu einer der begehrtesten und bekanntesten Geisha Japans auf.
Obgleich sich das Vergnügungsviertel Gion in Kyoto seit den dreißiger Jahren sicher sehr stark verändert hat und die Geisha-Kultur vielleicht nicht mehr die gleiche Bedeutung hat, habe ich eine unbändige Lust und Neugier, mir Gion anzuschauen. Am Spätnachmittag oder frühen Abend soll man mit etwas Glück wohl hier und da eine Geisha auf dem Weg zu einer Gesellschaft sehen.
Eine seltsame Kultur. Heutzutage kostet wohl eine Abendgesellschaft mit einer Geisha pro Person ab 50.000 Yen. Das ist anscheinend der günstigste Fall. Außerdem kann man nur hoffen, von einem Japaner dort eingeführt zu werden. Das ist einerseits faszinierend, andererseits mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ich begreife die Erotik, die eine Geisha ausstrahlt, nicht. Ich verstehe nicht, warum es erotisch ist, dass man am Rand der weißen Schminke die Haut sehen kann. Weshalb gilt es als verführerisch, wenn der Nacken oder die Unterarme freiliegen? Da haben wir es. Europäische Aufklärung contra Shinto.
Die Spannung steigt. Wenn man selbst dort ist, die Atmosphäre des Landes inhaliert, Menschen sieht und kommuniziert, werden einem einige Aspekte klarer. Sicher kann man eine alte Kultur als Außenstehender nicht komplett durchdringen, doch das Chaos erhält den erhellenden Logos.