Was bedeutet heute schon noch eine Reise? Man kann mit Ryan Air problemlos Europa abklappern und auf Deubelkommraus oder via Internet Unterkünfte finden. Reisen hat somit beinahe schon etwas sehr alltägliches in der westlichen Welt.
Wer leidet schon unter dem sogenannten Reisefieber, wenn es nach Norwegen, Polen, Italien oder Ungarn geht? Ich denke, dass diese Abstumpfung daher rührt, dass wir tagein tagaus mit Bildern aus den westlichen Ländern bombadiert werden. Beispielsweise war ich noch nie in Griechenland, kann mir jedoch bereits ungefähr vorstellen, was mich dort erwarten wird. Sicher, die spannende Reiserealität wird mich auch dort fesseln, aber es fehlt dieses kitzelnde Reisefieber.
Vor drei Jahren bin ich allein nach Beijing gereist, und ich erinnere mich, dass ich da zum ersten Mal, seitdem ich als kleines Mädchen vor Aufregung wegen einer Nachtzugfahrt nach München nicht schlafen konnte, so richtig vor Nervosität durch den Wind war. Es war eine Mischung aus Freude über die bevorstehende Reise, unbändige Neugier, was mich dort erwarten würde, und auch dieses Fünkchen Angst vor dem Unbekannten. Ich behaupte, dass macht das Reisefieber aus!
Das Schöne und tatsächlich unbeschreibliche Gefühl, das eintritt, wenn sich das Fünkchen Angst in Sicherheit wandelt, ist das schönste Reisegefühl überhaupt. Ich entdecke eine neue Welt, die mir zuvor verschlossen war, entdecke eine neue Sprache, die sich mir ein klein wenig erschließt, eine Kultur, die mich mitreißt in ihren wilden Strudel… Reisen als das Besiegen der eigenen Angst vor dem Unbekannten. Ist das eine neue Therapieform? Hm… vielleicht!
Diesen Sommer gibt es wieder ein solches Erlebnis. Mein Freund Martin und ich werden nach Japan fliegen. Gut, zwar nur für 16 Tage, was jetzt schon als viel zu wenig Zeit erscheint, aber besser als gar nicht, oder? Seit gestern kümmere ich mich um die Reiseroute und lese mich in die kulturellen Besonderheiten ein. Da erfasst es mich doch wieder, dieses Reisefieber! Zwar in einem anderen Maße als vor meinem Trip nach China, da ich nicht allein reisen werde, aber es ist da! Wie wird es mit der Sprache sein? Japaner sind wohl nicht die unbedingten Englisch-Cracks… Wie wird es dort sein? Wie wird das Essen sein? Ich freue mich schon auf die Herausforderungen, die sich uns zeigen werden.
Was natürlich ein Riesen-Plus ist: Wir werden in Japan auf zwei Bekannte treffen, die dort leben. Also erhalten wir einen Teil der Zeit einen Crash-Kurs in Sachen Japan für Langnasen. Doch wir werden uns auch alleine durch das Land bewegen. Oh Gott, darauf freue ich mich schon so!
Nur noch sechs Wochen… Ich sollte das Kribbeln voll auskosten!