Als ich es im Radio hörte, konnte ich es nicht fassen, was sich in London zugetragen hat. Angesichts solcher Taten entsteht in mir nur eine unbändige Wut und Verzweiflung, die deshalb so unerträglich ist, weil sie sich gegen etwas Diffuses, nicht Greifbares richtet.
Sollen die doch einfach da bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ich brauche hier keinen Sleeper.
Ich kann mir einfach nicht erklären, wie verstrahlt und dumm Menschen sein können, die durch Dogmen verseucht und verkommen sind. Dabei will doch eigentlich jeder Mensch nur sein Glück. Es kann mir keiner erzählen, dass irgend so ein dahergelaufener Terroristentrottel sich darauf freut, sich selbst und viele andere Menschen in die Luft zu jagen. Das widerspricht der menschlichen Natur und den Instinken. Wir sind doch auf dieser Welt um zu leben. Der Tod kommt schon von ganz alleine. Fanatiker sind pathologische Fälle. Als stinknormaler Mensch kommt mir die Galle hoch, wenn ich daran denke, dass Psychopathen solch einen Schaden anrichten können. Fassungslosigkeit.
Gleichzeitig ist es erstaunlich, wie wir mittlerweile mit dem Terrorismus in Europa umgehen. Mir kommt es vor, als ob die Börsianer den Terroristen mit einem dicken Fell und starkem Willen trotzen. Um die Mittagszeit haben mich die Kurse von Banken und Versicherungen in helle Aufregung versetzt. Ich habe meine 10%-Schmerzgrenze erreicht und verkauft. Für mich war klar, dass es nur noch bergab gehen würde. Die Websiten von n-tv und Onvista.de wurden heute von mir noch öfter als sonst konsultiert.
Aber wie so vieles im Leben kann man auch die Reaktion der Märkte nicht immer verstehen. Die Kurse sehen zwar immer noch nicht so rosig wie vor 3 Wochen aus. Allerdings hat sich meine apokalyptische Vision nicht bewahrheitet. Gottseidank habe ich nicht alle Papiere einfrieren lassen.
Es scheint mir beinahe unsozial, dass die Börse nur mit geringen Schwankungen auf die Anschläge reagiert. Als ob Terror zum okzidentalen Tagesgeschehen gehöre.
In dem ich das schreibe, scheint es mir tatsächlich so, als ob der Terrorismus zum Tagesgeschäft der westlichen Welt gehört. Terror ist der heutige Preis für unsere offene, liberale und freie Gesellschaft. Das Schlimme für mich ist, dass es vollkommen illusorisch ist, mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen im Alltag diesem blutigen Treiben Einhalt zu gebieten. Die erhöhten Sicherheitsstufen sind nur eine oberflächliche Beruhigung für uns, so etwas könne “bei uns” nicht geschehen. Aber wir sind durch unser wertvollstes Gut, die Freiheit, hochgradig angreifbar. Wenn wir uns gegen Terrorismus verteidigen wollen, müssten wir uns abschotten. Aber was wäre das für ein Leben? Was für eine Gesellschaft?!
Also müssen wir weitermachen. Wir sind wir. Die moderne abendländische Gesellschaft. Unsere Wurzel sitzen tief in der Erde, der abendländischen Philosophie. Unseren Stolz können Babaren nicht brechen. Dafür sind die einfach nur in der Minderheit und durch ihre Borniertheit geblendet. Irgendwann werden sie sich totgelaufen haben. Aber wir werden mit unseren Werten noch existieren.
Diesen Weg hat mir heute auf wundersame Weise der DAX gewiesen.
Siehe auch:
Cool Britannia
http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,364317,00.html
BÖRSEN NACH TERRORAKT
“Da muss schon mehr passieren”
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,364248,00.html