Ich bin ehrlich froh, dass für die nächsten sechs Wochen das Trauerspiel ersteinmal ein Ende hat. Es ist schon eine ernüchternde Bilanz, die ein Klavierlehrer so ziehen muss… bei einem Haufen Schüler sind maximal zwei darunter, die problemlos üben und sich geschickt an der Klaviatur anstellen.
Es gibt keine a priori unmusikalischen Menschen. A posteriori gibt es jedoch das falsche Instrument. Mir war bis vor kurzer Zeit nicht klar, dass Klavierspielen ziemlich kompliziert ist, da man zwei Hände hat, die unterschiedliche Sachen spielen, die auch noch in zwei verschiedenen Schlüsseln notiert sind, und dann auch noch ggf. zwei Füsse, die unterschiedliche Pedale asynchron treten müssen. Und das wäre erst einmal nur die Basis. Damit hat man noch nichts für eine angemessene Gestaltung des Stückes getan. Von der Körper- und Handhaltung ganz zu schweigen.
Ojehojeh.
An einigen Tagen denke ich nach dem Unterricht, dass ich mich tatsächlich prostituiere. Ehrlich gesagt bringt es in den wenigsten Fällen wirklichen Spaß, die Kinder zu unterrichten. Ich beneide die Lehrer, die von Anfang an klare Bedingungen, die auf das Üben abzielen, stellen und bei Nichteinhaltung und Festellung von totaler Motorik-Unfähigkeit den Schüler einfach nicht mehr unterrichten.
Aber ich habe zur Zeit die Funktion eines Klavier-Streetworkers. Wenn aus dem Haufen die zwei Schüler, die es ganz gut können, auch nach der Pubertät noch den Deckel aufmachen und eine Mozartsonate spielen, habe ich einen Dienst an der Basis geleistet.
Das nenne ich dann doch einen bescheidenen Erfolg.