Gefühl für Finanzen?

  • November 30, 2005 11:32

Ich lese also Folgendes bei onvista.de:

” ‘30 Prozent der Deutschen sind nicht sparfähig’, schätzt Benkner. Da bleibe im Alter nur das Nötigste. Lediglich fünf Prozent sind bestens gestellt.”

(http://aktien.onvista.de/news-filter.html?ID_OSI=82660&HO=0&DATE_RANGE=archive&ID_NEWS=56176188, letzter Abruf am 29.11.05)

Das kann doch nicht sein, oder? Wer sich tolle Fernsehapparate und sonstige Luxusgüter anschafft, kann doch ein klein wenig zur Seite legen. Die Menschen, die selbst das nicht können, sind m.E. immer noch in der deutlichen Minderheit. So weltfremd kann doch keiner sein. Und dabei geht es nicht einmal um das “bestens-gestellt-Sein”. Es reicht auch gut und ausreichend im Alter gestellt zu sein.

“Die Hälfte der Bevölkerung sei zwar finanziell in der Lage zu sparen, müsste aber ihre Lebensgewohnheiten ändern. ‘Das Problem ist, dass die meisten zu viel Geld ausgegeben. Zweimal im Jahr Urlaub, bestens gekleidet und zwei Autos, da bleibt nicht viel für die Altersvorsorge übrig’, sagt Benkner.” (ebd.)

Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Glücklich der, der sich beides gleichzeitig leisten kann. Aber das ist nun mal nicht so oft der Fall. Wo bleibt, meine Damen und Herren, der notwendige Realismus? Und man ist doch kein Vogel-Strauß, der lieber den Kopf in den Sand steckt als sich mit zukünftigen Dingen auseinander zu setzen. Die Zeiten dürften doch vorbei sein.

“Der DWS-Chef geht noch einen Schritt weiter und sagt: ‘90 Prozent der Bevölkerung hat kein Gefühl für Finanzen.” (ebd.)

Das ist keine gute Nachricht. Wer in unserer Gesellschaft gut und selbstständig überleben will, MUSS sich mit seinen Finanzen beschäftigen. Auch das Frauchen sollte wissen, was der Vaddi so an Finanzen hin- und herschiebt und sich nicht auf ihn verlasssen. Was ist, wenn man plötzlich alleine da steht und keine Ahnung hat? Die Bänker würden einem, wenn sie müssen, auch benutztes Klopapier als rentables Wertpapier oder eine Stiege Rinderfond als renditestarken Investmentfond andrehen.

“In Ländern wie den USA sehe das anders aus. ” (ebd.)

Hä? Das hätte ich gerne mal von Herrn Benkner genauer erklärt bekommen, denn man liest doch so einiges über Amerikaner und Schulden, wie beispielsweise hier:

“Die Sparrate nähert sich Null, und die Amerikaner liegen damit fast ganz hinten in der globalen Sparraten-Liga. Die US-Konsumenten haben ihre Schulden seit 2000 um insgesamt 34 Prozent auf ein Rekordniveau 9,5 Billionen Dollar (7,8 Billionen Euro) erhöht. [...]
Die Amerikaner schulden den Banken und Sparkassen für ihre Immobilien inzwischen fast acht Billionen Dollar. [...] Immer mehr US-Hausbesitzer geraten bei den jetzt rasch steigenden Zinsen in die Schuldenfalle. [...] Pro Haushalt betragen die Kreditkartenschulden mehr als 8400 Dollar. Die US-Bürger finanzieren jährlich Käufe im Wert von 1,4 Billionen Dollar mit Plastikgeld-Krediten. 80 Prozent der 18- bis 20-jährigen Amerikaner besitzen bereits Kreditkarten. Etwa 15 Prozent aller US-Bürger haben Kreditprobleme.”

(http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/meldungen/?id=529496, letzter Abruf am 29.11.05)

Aha. Und das soll also bedeuten, dass die Amerikaner ihre Finanzen gut im Griff haben? Ich vermute, da habe ich wohl was falsch verstanden? Besteht das amerikanische Gefühl für Finanzen darin, dass sie wissen, dass sie gefühlvolle Schulden machen?

Hmh. Da ich DWS-Benkner nicht kenne, kann ich mir seine Äußerung leider nicht persönlich erklären lassen.

Weil ich es mir wert bin

  • November 29, 2005 11:38

Gestern abend lief im Radio auf SWR1 eine Sendung über den sogenannten Fleischskandal. Als ich gerade im Auto fuhr, wurde ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Vereinigung Slowfood geführt, welches mir noch weiter die Augen geöffnet hat.

Der Mann sagte, dass der Verbraucher letztendlich selbst daran schuld sei, da man einfach nicht von einem Hähnchenschenkel für 50 Cent erwarten kann, dass 1. die Tierhaltung in Ordnung sei, 2. die Schlachtbedingungen gut seien und 3. das Fleisch frisch sei. Die Dumpingpreise in den Discountern können nur durch dementsprechende Rahmenbedingungen zustandekommen.

Das Problem, das nun allgemeinhin bekannt ist, ist die Tatsache, dass viele Leute am besten jeden Tag ihr Stück Fleisch auf dem Teller liegen haben wollen. Aber bitte für wenig Geld. Am besten sollte es natürlich nichts kosten. Da ist es einfach absurd, dass man für dieselbe Menge Fleisch im Katzenfutter zum Teil das fünffache bezahlt. Sind die Genüsse der Katzen den Bürgern mehr wert als die Fleischqualität auf dem eigenen Teller?

Die Moderatorin bemerkte, dass es wohl illusorisch sei, dass die Menschen plötzlich sehr viel mehr Geld für ein anständiges Stück Fleisch hinlegen würden. Wie könne man als Verbraucher denn trotzdem darauf reagieren. Da sagte der Slowfoodheini, dass man eben seltener aber dafür gutes Fleisch, was dementsprechend teurer sei, kaufen sollte.

Der Preis des Fleisches setzt sich aus drei Qualitätskomponenten zusammen:

1. Aufzucht: Wenn die Tiere langsam aufwachsen und artgerecht gehalten werden, hat das direkte Auswirkungen auf die Fleischqualität. Ich hatte ein paar Mal die sog. Schrupfschnitzel in der Pfanne. Das war Fleisch von Tieren aus solchen Turbomasten.

2. Schlachtung: Lange Transportwege zu den Schlachthöfen sowie Massenschlachtungen wirken sich dirket auf den ph-Gehalt im Fleisch aus. Stress bewirkt einen höheren ph-Gehalt, was zu Geschmackseinbußen führt.

3. Frische des Fleisches: Tja, das ist ja zur Zeit das Top-Thema in den Medien! Braucht man wohl nichtz viel zu sagen.

Je mehr auf diese drei Punkte Wert gelegt wird, desto bessere Produkte ergeben sich für den Verbraucher. Aber das kostet eben auch mehr.

Mal ehrlich: Wir geben für jeden Scheiß einen Haufen Geld aus, aber an solch wichtigen Dingen wird gespart. Wer braucht schon 7 Tage die Woche Fleisch? Ich bin es mir wert und werde nicht mehr zu Spottpreisen Fleisch kaufen. Ein- oder zweimal die Woche soll es etwas Gutes geben. Fertig.

Triphop oder Downbeat?

  • November 28, 2005 13:53

Offen gestanden: Ich hasse alles, was elektronisch klingt. Discos mit Techno, Trance und House sind mir ein Mega-Graus. Mir bringt die Musik so überhaupt gar keinen Spaß. Und dass so viele Leute sich das reinziehen, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Aber diese Genres prägen unsere musikalische Landschaft und dementsprechend unsere Lebenswelt. Natürlich ist nicht plötzlich jemand auf die Idee gekommen, Acid House, Rave oder was auch immer zu kreieren. Das hat schon seine tieferen Wurzeln.

Und das ist wirklich spannend, diese gesamte Ecke der neueren Musikgeschichte von den Wurzeln bis hin zu den unglaublich vielen Verästelungen sich anzuschauen. Das allein wäre schon wahnsinnig interessant. Aber die Website “Ishkur’s Guide to Electronic Music“toppt es, da man sich zu jeder einzelnen Stilrichtung mehrere Beispiele anhören kann. Ich erfahre somit unmittelbar durch lesen und hören, dass zum Beispiel Björk zu dem Stil “Downbeat” und Portishead zu “Trip Hop” gehören. Sehr cool.

Insgesamt wird das Genre “elekronisch erzeugte Musik” in 7 große Stilrichtungen gruppiert. Alles ist jedoch in einer Art Mindmap überordnend zusammengefasst. Dadurch sieht man ganz klar, dass beispielsweise “Industrial” einerseits noch unter “Downtempo” fällt und damit direkt von der “musique concrète” abstammt, aber andereseits unter “Trance” fällt und Darkwave usw. nach sich zieht. Man kann deshalb gut nachvollziehen, welche Stile Bindeglieder sind und was sie des weiteren an neuen Ausprägungen auslösen.

Den Link habe ich auf der letzten Seite des Wissenschafts-Teils der FAS zufällig entdeckt. Es lohnt sich tatsächlich, Zeitungen mal genauer zu lesen.