Seltsamerweise haben alle jene Kommissare oder Inspektoren neben dem Hang zur Melancholie, einen ausgeprägten Hang zum Alkohol und zur Musik. Der eine mags gern klassisch, der andere lieber jazzy. Ein weiteres Merkmal ist der Familienstand. Entweder geschieden oder nie verheiratet. Mal hier etwas Amouröses, aber natürlich auch von tiefster Schwermut und Alkohol überschattet. Daher alleinstehende Männer, die zerbrochen sind und entweder immer aus dem Beruf aussteigen wollen oder es definitiv tun, jedoch irgendwie auf ihre Weise gegen das Böse kämpfen.
Die Zeit hat aus dem verletzlichen Polizisten, der nur so vor Coolness strotzt und immer ein Weib aufgabelt, des American Hard Boiled Romanes einen weinerlichen Polar-Ritter-von-trauriger-Gestalt gemacht, der gegen die Windmühlen kämpfen muss. Er ist schon von Narben übersät, auch die seelischen Wunden klaffen noch auf. Er ist nicht mehr nur verletzlich, er ist schon ein Wrack. Aber er muss weitermachen, weil das Ermitteln wie ein innerer Zwang für ihn ist. Währenddessen kommentiert er das Geschehen in den schwärzesten Tönen, wie es nur geht. Selbstmord wäre eigentlich am besten. Aber er muss ja weitermachen.
Diese Tatsache mit dem Selbstmord als Königsweg wird bei Izzo in der Marseille-Trilogie umgangen, da der Kommissar, der ja ab dem Roman Chourmo nicht mehr für die Polizei arbeitet aber dennoch unermüdlich in den Banlieues herumstochert, am Ende erschossen wird. Der Arme wird quasi von seinem “Menschen-Leid” erlöst. Übrigens spricht der Kommisar im Roman zum Leser, ist also ein zentraler homodiegetischer Erzähler. Sein Roman-Tod ist daher literarisch gesehen etwas Herausragendes, da der Leser seine letzten Gedanken liest. Nach den letzten Hirnströmen, die der Erzähler in Worte transformiert, ist der Roman logischerweise zu Ende.
Die Romane um Kommissar Fabio Montale von Izzo sind schon interessant. Allerdings bin ich nach den vielen Wallander- usw. Bänden der klagenden Krimi-Zunft langsam etwas überdrüssig. Und offen gesagt, Montale ist schon ein echter Jammerlappen. Genauso wie Wallander und die ganzen Schweden-Fuzzies.
Die Bücher Total Cheops, Chourmo und Solea sind in einem Sammelband erhältlich, was sich durchaus zu kaufen lohnt, da sie alle miteinander zusammenhängen und Querverweise zu finden sind.