Der jammernde Kriminalkommissar

  • November 27, 2005 14:52

Seltsamerweise haben alle jene Kommissare oder Inspektoren neben dem Hang zur Melancholie, einen ausgeprägten Hang zum Alkohol und zur Musik. Der eine mags gern klassisch, der andere lieber jazzy. Ein weiteres Merkmal ist der Familienstand. Entweder geschieden oder nie verheiratet. Mal hier etwas Amouröses, aber natürlich auch von tiefster Schwermut und Alkohol überschattet. Daher alleinstehende Männer, die zerbrochen sind und entweder immer aus dem Beruf aussteigen wollen oder es definitiv tun, jedoch irgendwie auf ihre Weise gegen das Böse kämpfen.

Die Zeit hat aus dem verletzlichen Polizisten, der nur so vor Coolness strotzt und immer ein Weib aufgabelt, des American Hard Boiled Romanes einen weinerlichen Polar-Ritter-von-trauriger-Gestalt gemacht, der gegen die Windmühlen kämpfen muss. Er ist schon von Narben übersät, auch die seelischen Wunden klaffen noch auf. Er ist nicht mehr nur verletzlich, er ist schon ein Wrack. Aber er muss weitermachen, weil das Ermitteln wie ein innerer Zwang für ihn ist. Währenddessen kommentiert er das Geschehen in den schwärzesten Tönen, wie es nur geht. Selbstmord wäre eigentlich am besten. Aber er muss ja weitermachen.

Diese Tatsache mit dem Selbstmord als Königsweg wird bei Izzo in der Marseille-Trilogie umgangen, da der Kommissar, der ja ab dem Roman Chourmo nicht mehr für die Polizei arbeitet aber dennoch unermüdlich in den Banlieues herumstochert, am Ende erschossen wird. Der Arme wird quasi von seinem “Menschen-Leid” erlöst. Übrigens spricht der Kommisar im Roman zum Leser, ist also ein zentraler homodiegetischer Erzähler. Sein Roman-Tod ist daher literarisch gesehen etwas Herausragendes, da der Leser seine letzten Gedanken liest. Nach den letzten Hirnströmen, die der Erzähler in Worte transformiert, ist der Roman logischerweise zu Ende.

Die Romane um Kommissar Fabio Montale von Izzo sind schon interessant. Allerdings bin ich nach den vielen Wallander- usw. Bänden der klagenden Krimi-Zunft langsam etwas überdrüssig. Und offen gesagt, Montale ist schon ein echter Jammerlappen. Genauso wie Wallander und die ganzen Schweden-Fuzzies.

Die Bücher Total Cheops, Chourmo und Solea sind in einem Sammelband erhältlich, was sich durchaus zu kaufen lohnt, da sie alle miteinander zusammenhängen und Querverweise zu finden sind.

Die Wunderfau mit sieben Kindern

  • November 24, 2005 14:00

Da wird doch tatsächlich eine Frau mit sieben Kindern und medizinischer Tätigkeit Politikerin. Ich vermute, dass sich ihre politische Karriere wegen ihres Kinderreichtums und der beruflichen Laufbahn, kurz aufgrund einer “discrimination positive”, derart schnell entwickeln konnte. Der guten Frau ist der Erfolg durchaus zu gönnen. Das will ich gar nicht bestreiten.

Aber die Besetzung des Amtes mit einer solchen “Vorzeigemutter” ist zeichenhaft. Und das stört mich.

Für mich spricht daraus eine indirekte-direkte Aufforderung, viele Kinder zu zeugen und bitte auch beruflich Karriere zu machen.

Mich würde interessieren, wie Frau von der Leyen die Betreuung ihrer Kinder gestaltet. Wer nimmt ihr die Arbeit ab? Ihr habilitierter Ehemann wohl nicht? Klappt alles, weil die Familie dahinter steht? Oder werden die Kinder von Außenstehenden versorgt?

Diese Amtsbesetzung mit Ursula von der Leyen hat eine rein appellative Funktion. Ihr Sein wird instrumentalisiert um uns Frauen mitzuteilen, dass wir einem solchen Vorbild nacheifern sollten. Fehlt nur noch die Wiedereinführung des Mutterverdienstkreuzes.

Endives au Stilton

  • November 22, 2005 16:26

Meine Freundin Hélène hat mir das Rezept für diesen wunderbaren Salat, den man sehr gut als kleines Entrée bereiten kann, beigebracht. Eigentlich sollte der Salat “endives belle Hélène” heißen. Hélène ist wirklich sehr schön, aber vielleicht würde diese Namenskombination eher an die poires belle Hélène, also “Birne Helene“, denken lassen, was wiederum eher seltsam anmuten würde.

Hier also das Rezept für 2 Personen:

Endives au Stilton (Chicoréesalat mit Stilton)

2 mittelgroße Chicorée (die Blattspitzen müssen gelblich sein!)
1 kleines Stück Stilton
5 Walnüsse
Walnussöl
Apfelessig
Salz

Den Chicorée in Ringe schneiden, dabei die Innenstücke (das, was zum Strunk gehört) entfernen, da diese bitter schmecken. Die Ringe lauwarm abspülen und (ab besten mit Hilfe der Salatschleuder) trocknen.

Die Ringe in eine kleine Schüssel geben und mit einem Esslöffel Apfelessig und einer größeren Prise Salz anmachen. Man muss die ganze Chose gut durchmengen, damit sich die Säure und das Salz gleichmäßig auf den Blättern verteilen.

Anschließend circa 2 Esslöffel Walnussöl dazugeben. Wieder gut mischen. Danach den Käse über dem Salat zerbröseln und die Walnüsse nach dem Knacken in mittelgroßen Stücke darüberstreuen.

Den Salat erst wieder kurz vor dem Anrichten auf dem Teller durchmischen. Damit verhindert man, dass der Käse durch die Feuchtigkeit schmierig wird und zu einem Dressingbestandteil verkommt.

Warum eigentlich Stilton??? Hmmm, eigentlich war das zunächst nur eine Verlegenheitslösung meinerseits, da ich bei Tegut keinen Bleu d’Auvergne oder Ähnliches bekommen habe. Gorgonzola, Roquefort oder ähliche Käsesorten eigenen sich nicht so sehr für den Salat, da die Konsistenz zu weich ist. Da fiel mir der Stilton in die Hände. Er ist ein recht fester und eher trockener Blauschimmelkäse, den man wunderbar zerbröseln kann. Außerdem hat er einen kräftigen Geschmack, weshalb ich ihn tatsächlich besser als einen milden Bleu d’Auvergne finde. So können Zufälle Verbesserungen bringen!!!
Ich habe Apfelessig gewählt, weil die Säure nicht so penetrant ist, wie bei anderen Essigsorten, aber gleichzeitig auch die Süße nicht zu dominierend wirkt. Außerdem plädiere ich für frisch geknackte Nüsse. Man kann auch die Dinger im Beutel kaufen, muss aber mit erheblichen Geschmackseinbußen rechnen. Da Chicorée ja eher ein winterliches Gemüse ist, hat man sowieso Zugang zu frischen Nüssen, was man auch tunlichst nutzen sollte.