Musik und die Artes liberales des Mittelalters

  • December 17, 2005 14:52

Bislang habe ich mich bis Seite 90 “durchgelesen”. Die ersten Abschnitte umfassen neben zwei persönlichen Reflexionen des Autors, die immer wieder zwischen den musikgeschichtlichen Kapiteln eingeschoben sind, die mittelalterliche Mehrstimmigkeit. Über den Dualismus zwischen Praxis, die dem Cantor per usum, und Theorie, die dem Musicus per artem zugewiesen waren. (“Musici sciunt, cantores dicunt, quae composit musica.” Guido von Arezzo)

Musik zählte im Mittelalter zu den septem artes liberales, den sieben freien Künsten. Hier ein oft zitiertes Bild, das die Künste allegorisch darstellt:

Die sieben freien Künste

Man erkennt die sieben freien Künste, die der Brust der Philosophia entspringen. Sie steht im Mittelalter im Zeichen des Christentums, ist also von Gott gegeben und mit ihm verbunden. Also stehen die 7 Quellen der Weisheit in direkter Verwandschaft zur Philosophie und sind eben daher göttlich (Im Bild :”Septem fontes sapientiae fluunt de philosophia, quae dicuntur liberales artes.”).

Die allegorische Musica wird mit Harfe, Drehleier und Fiedel dargestellt. Sie gehört zum Quadrivium, also dem Gegenstandsbereich der Theorie, Betrachtungen und des Zahlenmäßigen.
Im Bild ist sie direkt neben der Dialectica angesiedelt. Diese gehört zum Trivium. Ich denke mir, dass dies nicht zufällig ist, sondern dass hier auch auf die Dialektik in der Musik angespielt wird. Damit wird ebenfalls Bezug auf die Ausdrucksfähigkeit der Musik, ihre sprachliche Qualität, genommen. Im Mittelalter wurde schließlich Musik auch an den sogenannten Trivialschulen gelehrt, wurde in gewisser Weise dem Trivium zugeordnet, zumindest als benachbarte Ars betrachtet. Doch wird sie in dem Zusammenhang nicht mehr ars musica, sondern ars cantus und ars modulationis genannt. Rationale Theorie einerseits, also im Sinne des Quadriviums, mehr sprachlich geprägte und auf Wirkung bedachte Aufführungspraxis andererseits. An den Universitäten wurde nur die ars musica gelehrt und war dem Magister artium vorenthalten.

Rationalität ist ein signifikantes Merkmal der abendländischen Musik. Rationalität deshalb, weil es ein theoretisches Regelwerk gibt, weil wesentliche Bestandteile Notation, Komposition und damit verbundene Geschichtlichkeit und Transportabilität sind. Musiktheorie ist noch heutzutage ein Studienfach. Das zeugt von der Rationalität, die unserer Musik innewohnt. Man ist darauf bedacht, das Tönende in Sprache zu fassen und angemessen zu beschreiben. Wir wollen es begrifflich machen und die Vorgänge aufzeigen. Dadurch wird gleichzeitig die Musik sprachfähig. Wenn man ihre Regeln, gleich einer Grammatik, kennt, ist man in der Lage, sie zum sprechen zu bringen.

So ist auch die Notation ein rationales Zeichensystem, wodurch die Klangphänomene reproduzierbar und transportabel werden. Die Notation gibt es bereits im 3. Jahrhundert v. Chr.. Sie vermittelt zwischen Theorie und Praxis und zeugt von der theoretischen Struktur des Musikmachens.

Aber trotz dieser Rationalität wohnt der Musik das Gefühl inne. Plato schreibt bereits über die Macht der Musik und ihre Einsatzmöglichkeiten in einem Staat. Sie verkörpert stets das Irrationale. Eggebrecht stellt zu Recht fest, dass diese Widersprüchlichkeit, insbesondere die Aufhebung, oder vielleicht besser : das Wissen um die und das Leben mit der Widersprüchlichkeit ein Kennzeichen unsere Musik ist. Unsere Emotionalität wird von Vornherein rationalisiert. Das Wissen darum hat zur Folge, dass man sich in der Musik bestimmter Formen bedienen kann, um besondere Emotionen im Hörer zu wecken.

Wahnsinn, oder? Selbst unsere kommerzielle Pop- und Rockmusik ist eine sehr rationale Sache. Kann man alles theoretisch erfassen. Auch die Tatsache, dass Musik seit jeher im kultischen Bereich zuhause ist, lässt Popmusik und ihre “Ikonen” im ersatzreligiösen Licht erscheinen. Das führt mich zu Gedanken, die ich noch an anderer Stelle mal in Worte fassen muss. Aber erstmal so viel zu Eggebrechts genialem Wälzer. Es wird noch einige Dinge daraus geben, die ich extrahieren werde.

Wo zum Teufel liegen die Kokosinseln?

  • December 16, 2005 15:14

So, das läßt mir doch keine Ruhe und ich muss jetzt mal nachschauen, wo diese Dinger liegen, von denen ich noch nie im Leben gehört habe.

Aha.

Wikipedia sagt hierzu also folgendes:

“Die Kokosinseln (englisch Cocos Islands oder auch Keeling Islands) sind eine Inselgruppe im Indischen Ozean. Sie sind ein australisches Außengebiet und liegen auf dem so genannten Investigatorrücken. Die Bevölkerung beträgt 628 Einwohner (2005), die Fläche 14,2 km². Die Internet-TLD ist .cc.”

Und hier noch eine Karte, wo genau die Kokosinseln zu finden sind:
Die Kokosinseln sind der rote Punkt

Na, da sind wir dann doch alle schlauer geworden, was? Coucou, Kokosinsulaner! Schönes Wetter bei Euch?

Noten online finden

  • December 15, 2005 13:07

Das Prinzip bei Klavier-Wissen.de ist, dass man seine E-Mail-Adresse angibt und von Zeit zu Zeit Mails mit Links zu kostenlosen Notendownloads gelangt. Sollte man mal ausprobieren. Ich hatte ähnliches mal bei Stretta-Music mitgemacht. Anfangs war das total genial, weil man eine interessante Notenauswahl hatte. Doch irgendwann wollten die das kommerzieller aufziehen, so dass die meisten Downloads nur noch für zahlende Mitglieder zur Verfügung standen. Der kostenlose Teil wurde lachhaft winzig, und die Stücke waren der letzte Heuler. Also: Klavier-Wissen bis zum kommerziellen Beginn, falls dieser geplant sein sollte, nutzen.

Bei der Choral Public Domain Library findet man zwar keine Klaviernoten, dafür aber eine schier unendliche Auswahl an Chornoten. Gefällt mir sehr gut und werde ich sicher als Lehrerin viel nutzen.

Auch beim Mutopia Project kann man Chornoten finden. Aber nicht nur das. Auch Instrumente und Gesangsstücke sind dort reichlich vorhanden. Mit Suchen und Geduld finden sich da viele hübsche Dinge an!

Bei Easybite.com kann man von einem gewissen William Wallace Klavier-Arrangements herunterladen. Ich denke, dass man sowas für Klavierschüler oder als selbstspielender Laie nutzen kann. Für Snobs ist das manchmal nichts: Badinerie von Bach für Klavier. Ist schon sehr amerikanisch. Aber brauchbare Stücke sind auf der langen Liste allemal zu finden!

In dem Elton John Archiv findet man, das sagt jaj bereits der Name, Elton-John-Arrangements zu Hauf! Ist eine kleine Fundgrube und sicher sehr brauchbar.

Im Sheet Music Archive kann man täglich 2 Stücke kostenlos herunterladen. Wer die gesamte Kollektion haben will, zahlt 19 US Dollar. Aber das wäre doch gelacht, oder? Lieber mal von Zeit zu Zeit spähen und laden. So viel kann man eh nicht auf einen Schlag nutzen!

Auch lohn es sich, im Werner Icking Musik Archiv vorbeizuschauen. Eine gute Auswahl verführt zum langen Stöbern.

Total genial ist das Archiv der digitalen Noten-Bib der University of Indiana. Erstmal sind dort die Noten wunderbar kategorisiert. Dann findet man jedenfalls auch Dinge, die man sucht. Das ist ja nicht immer so der Fall. Partituren haben die übrigens auch im Angebot! Echt genial!