Lese-Intermezzi

  • December 13, 2005 14:37

Der Grund dafür sind zwei weitere Bücher. Ich habe mich vom Bücherstapel über Mozart hinreißen lassen. Rausgekommen sind einmal seine übersichtliche Biographie, die in den rororo-Monographien erschienen ist. Der Autor ist Fritz Hennenberg. Das Leben einer Ausnahmegestalt auf 140 Seiten. Mir gefällt das bewährte rororo-Prinzip. Mit der Zeit hat sich doch schon mancher Band dieser Reihe bei mir im Regal eingefunden. Als Einstieg oder als Übersicht sind die Bände ideal. Die Mozart-Biographie ist gut geschrieben. An den richtigen Stellen werden tiefergehende Informationen touchiert, der fließende Text ist, so empfinde ich es, schon unterhaltsam geschrieben. Das Buch ist mein persönlicher Appetizer zum kommenden Mozartjahr. Die 140 Seiten brauchten inklusive Markieren wichtiger Sujets, Erstaunen, Nachsinnen über die beschriebene Musik an die zwei Stunden. Für einen Fachtext ist das nicht zu lange. Als nächstes wird das Buch von Alfred Einstein über Mozart auf der Speisekarte stehen. Das wird fachlich tiefer gehen und sicher sehr hilfreich für Unterrichtsvorbereitungen sein. Wäre doch schade, wenn ich die Gunst der Stunde nicht für eine Mozart-Einheit verwenden könnte.

Aber das war nun nicht das einzige Lese-Intermezzo. Gestern abend haben Martin und ich den Film der Untergang gesehen. Währenddessen fiel mir ein Gespräch mit einer guten Freundin ein, in dem das Buch “Kommandant in Auschwitz” von Rudolf Höß vorkam. Ich habe dieses Buch schon seit vielen Jahren im Regal stehen. In der elften Klasse hatte unser damaliger Philo-Lehrer es erwähnt und uns empfohlen. Gekauft. Aber noch nicht gelesen. Gestern abend bin ich dann aber aufgesprungen und habe mir das Buch aus dem Regal genommen. Seltsam, sowas zu lesen. Höß hat seine Biographie verfasst, als er auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartete. Er war drei Jahre lang der Kommandant des KZ Auschwitz. Die Zeit ist nun reif für mich, das Buch zu lesen. Bin auf Seite 45.

Letzte nacht habe ich dann, vielleicht wegen des Filmes und des Buches, richtig fiese Albträume gehabt.

So sieht es also zur Zeit mit den Büchern aus. Pompeji oder Stephenson… Diese Frage werde ich mir erst wieder in ein paar Tagen stellen.

Dürrenmatt und das Versprechen

  • December 12, 2005 10:14

Den Film dürfte fast jeder in Deutschland kennen. Es geschah am hellichten Tag mit Gerd Fröbe in der Rolle des Kindermörders ist ein Klassiker und, wie ich finde, immer noch mitreißend und beklemmend.

Dürrenmatt schrieb damals das Drehbuch, später nahm er sich den Stoff nochmals vor und änderte einige Dinge. Daraus wurde schließlich sein Roman das Versprechen. Der Film hat ein deutliches Happy End. Der Mörder wird gefasst, keine Kinder fallen ihm mehr zum Opfer. Der Kommissar hat triumphiert.

Im Roman hingegen wird der Mörder nicht gefasst, denn kurz vor dem Anbeißen am “Lockvogel Annemarie” schlägt das Schicksal zu: Herr Schrott hat einen tödlichen Autounfall auf dem Weg zum Treffpunkt mit Annemarie. Der Kommissar bleibt daher sein Leben lang an der Tankstelle kleben und verfällt dem Wahnsinn. Annemarie und ihre Mutter bleiben bei ihm. Dieses Dreiergespann ist mitleidserregend. Kein Triumph. Kein Happy End für den Guten.

Das Schicksal hat dazwischengefunkt.

Dürrenmatts Welt nimmt den Leser ein. Seine Mikrokosmen sind seltsam und trotz einer gewissen Vertrautheit irgendwie befremdlich. Der Leser bleibt immer auf Distanz zu den literarischen Figuren. Da können wir nicht vollends reinschauen, weshalb eine Art von Kälte, Strenge, aber auch Direktheit der Bilder entsteht. Wie es den Figuren geht, was sie innerlich erleiden, können wir als Leser nur durch Symptome erahnen und erschließen. Cooles Prinzip.

Der Roman liest sich, wenn man nicht gestört wird, in eineinhalb Stunden durch. Also nicht als einzige Lektüre in den Urlaub mitnehmen! Ist eher sowas wie ein Snack für zwischendurch. Das Buch ist erstmals 1958 erschienen, aber überhaupt nicht verstaubt. Ich halte es für eine zeitlose Geschichte. Und es ist gleichermaßen eine zeitlose Parabel auf das seltsame Leben und seine Kapriolen.

Lesen!

Was lese ich als nächstes?

  • December 11, 2005 10:05

Es ist ein Kreuz mit diesen Büchern. Ich habe mir die letzten zwei Abende Bücher vorgenommen und habe angefangen zu lesen. Aber ich weiß nicht… Soll ich, soll ich nicht? Vielleicht was Neues?

Vorgestern: Ich sitze auf Martins Schoß und ärgere ihn ein wenig. Dabei sehe ich das Buch Cryptonomicon von Stephenson. ‘Hach’, denke ich mir, ‘das könnte ich ja mal lesen…’ Also lasse ich von Martin ab und gehe mit dem Buch unter dem Arm ins Bett und fange an zu lesen. Ein riesiger Nachteil des Buches ist, dass es im Liegen kaum zu lesen ist. Das Buch ist so dick und so schwer. Nicht gemütlich. Nach dem Prolog schlafe ich ein.

Gestern: Ich gehe ins Bett, denke an dieses schrecklich schwere Buch, schweife mit meinem Blick hin und her. Da grinst mich von Martins Nachttisch das Buch Pompeji von Harris an. Hat meine Schwester ihm neulich geschenkt. ‘Ach, warum nicht?’ sage ich mir. Also habe ich auch damit angefangen. Über den Bau von Aquädukten geht es. Das Buch ist leichter und dünner. Ich kann es also im Liegen sehr gut lesen. Werde ich es heute abend weiterlesen?

Fortsetzung folgt!