Im September habe ich meine Unterlagen nach Kassel geschickt. Bewerbungsschluß war der 30.09.05. Seitdem ward kaum noch was von den Behörden vernommen. Lediglich, dass ich in das offizielle Bewerbungsverfahren aufgenommen worden sei.
Scheißgefühl. Ich – Nummer sowieso – in den Händen der Verwaltung.
Gestern habe ich dann in Kassel angerufen und gefragt, wann man denn mit der Benachrichtigung rechnen könne. Nächste oder übernächste Woche sollen die Briefe rausgehen. Da ist mir das Herz dann doch eine Etage tiefer gerutscht. Es ist ein wenig so, als würde ich auf dem Schafott liegen, und man sagt mir, dass das Fallbeil im Anmarsch sei. Ok, ok. Ist sehr drastisch, aber das Prinzip ist für mich schon fühlbar.
Tausend Fragen. Wo werde ich sein? Wie wird es sein? Werde ich meine Musikaktivitäten noch zum Teil aufrecht erhalten können? Werden die mir meinen Präferenzort zuteilen? Wenn die mich nach Frankfurt stecken sollten, dann wäre es, glaube ich, unmöglich, die letzten Bruchstücke meines jetzigen Lebens zu bewahren. Täglicher K(r)ampf im Verkehrschaos. Das wäre echt eine richtig miese Wahl. Worst Case Scenario.
Einerseits freue ich mich schon auf die Arbeit in der Schule, da ich mir die Schüler zutraue und mir das Lehrerleben schon gefällt. Andererseits fällt mir der Abschied vom zügellosen und lockeren Studi- und Klavierunterrichtsleben sehr schwer. Weg ist die Flexibilität. Jetzt zählen nur noch die Ferien. Adieu geliebte “heute-lasse- ich-mal-alle-fünfe-gerade-sein-Mentalität”.
Stattdessen: mörderisch früh aufstehen, trotzdem fit, motivierend/motiviert und vorbereitet sein, supersexy früh mit den Hühnern ins Bett gehen, keine geilen Schimpfwörter, die ich doch so liebe, gebrauchen, Disziplin und Konsequenz fordern und repräsentieren, große Verantwortung tragen. Das läßt mich schon etwas erschaudern. Brrrrrrrrrrrr…
Eigentlich bin ich nicht so ein Mensch, der sich vor Aufregung die Fingernägel abkaut und wie ein verschrecktes Huhn durch die Gegend flattert. Aber dieses Mal – ehrlich – da geht mir irgendwie schon die Düse.
Ab Februar werde ich also auf einen Schlag erwachsen sein müssen. Zumindest muss ich dann so tun, als sei ich es.
Ernst Leben lernt laufen. Wie wird es wohl werden?