Der Countdown läuft

  • December 7, 2005 13:11

Im September habe ich meine Unterlagen nach Kassel geschickt. Bewerbungsschluß war der 30.09.05. Seitdem ward kaum noch was von den Behörden vernommen. Lediglich, dass ich in das offizielle Bewerbungsverfahren aufgenommen worden sei.

Scheißgefühl. Ich – Nummer sowieso – in den Händen der Verwaltung.

Gestern habe ich dann in Kassel angerufen und gefragt, wann man denn mit der Benachrichtigung rechnen könne. Nächste oder übernächste Woche sollen die Briefe rausgehen. Da ist mir das Herz dann doch eine Etage tiefer gerutscht. Es ist ein wenig so, als würde ich auf dem Schafott liegen, und man sagt mir, dass das Fallbeil im Anmarsch sei. Ok, ok. Ist sehr drastisch, aber das Prinzip ist für mich schon fühlbar.

Tausend Fragen. Wo werde ich sein? Wie wird es sein? Werde ich meine Musikaktivitäten noch zum Teil aufrecht erhalten können? Werden die mir meinen Präferenzort zuteilen? Wenn die mich nach Frankfurt stecken sollten, dann wäre es, glaube ich, unmöglich, die letzten Bruchstücke meines jetzigen Lebens zu bewahren. Täglicher K(r)ampf im Verkehrschaos. Das wäre echt eine richtig miese Wahl. Worst Case Scenario.

Einerseits freue ich mich schon auf die Arbeit in der Schule, da ich mir die Schüler zutraue und mir das Lehrerleben schon gefällt. Andererseits fällt mir der Abschied vom zügellosen und lockeren Studi- und Klavierunterrichtsleben sehr schwer. Weg ist die Flexibilität. Jetzt zählen nur noch die Ferien. Adieu geliebte “heute-lasse- ich-mal-alle-fünfe-gerade-sein-Mentalität”.

Stattdessen: mörderisch früh aufstehen, trotzdem fit, motivierend/motiviert und vorbereitet sein, supersexy früh mit den Hühnern ins Bett gehen, keine geilen Schimpfwörter, die ich doch so liebe, gebrauchen, Disziplin und Konsequenz fordern und repräsentieren, große Verantwortung tragen. Das läßt mich schon etwas erschaudern. Brrrrrrrrrrrr…

Eigentlich bin ich nicht so ein Mensch, der sich vor Aufregung die Fingernägel abkaut und wie ein verschrecktes Huhn durch die Gegend flattert. Aber dieses Mal – ehrlich – da geht mir irgendwie schon die Düse.

Ab Februar werde ich also auf einen Schlag erwachsen sein müssen. Zumindest muss ich dann so tun, als sei ich es.

Ernst Leben lernt laufen. Wie wird es wohl werden?

Der n-tv Depot-Check

  • December 1, 2005 09:17

Eine gute Nachricht zu Beginn der Auswertungen war, dass ich eine risikoarme Depotstruktur habe. Aufatmen. Für mich eine weitere positive Aussage ist, dass mein mittelfristiger Umstrukturierungsplan für die Zukunft auch nicht in die falsche Richtung, nämlich Fonds, weist.

Nun gut.

Das Analyseergebnis zielt eben auf eine basale Fonds-Struktur ab. Die Produkte, die mir als Beimischung empfohlen wurden, sind in der Regel keine schlechten. Schauen wir sie uns mal an:

Hansa Asia (DE0009799734):
Morningstar gibt fünf Sterne, S&P vier. Also kann man den schon nehmen. Doch laut Finanztest performt der State Street Actions Japon besser und stabiler. Ich würde da doch den Franzosen das Ding abkaufen. Aber wieso überhaupt Japan? Wäre nicht ein Fond, der in China investiert interessanter? Zum Beispiel käme für mich da der HSBC Chinese Equity in Frage.

Raiffeisen-Osteuropa-Aktien (AT0000785241)
:
Gut, hat besseres Rating als der Griffin Eastern European Fund. Überzeugt mich.

Axa Rosenberg Global Small Cap (IE0031069168):
Mit dem hatte ich auch schon in Gedanken gespielt. Finde ich durch die Small Caps interessant. Weltweite Streuung sollte man außerdem auch beimischen.

Newton Higher Income Fund (GB0006779218):
Ohne Zweifel eine gute Wahl, wenn man in britische Werte gehen möchte. Aber wieso sollte man dort investieren? Finde ich persönlich nicht notwendig.

Was also die Vorschläge an Investmentfonds anbelangt, so würde ich sagen, dass man die empfohlenen Titel nehmen kann. Restrisiko bleibt natürlich immer – trotz Markowitz.

Nun wird in der Analyse empfohlen, bestehende Titel zu verkaufen und in Fonds und bestehende Titel umzuschichten. Und da scheiden sich die Wege. “Sichere Titel” mit guter Rendite sollen da zu Gunsten eines eher wackeligen Kandidanten im Sinne der “Growth-Strategie” abgestoßen werden. Das würde ich nicht tun.

Außerdem würde ich zu diesem Zeitpunkt nicht in festverzinsliche Wertpapiere mit mittlerer Laufzeit gehen, da die Zinsen in absehbarer Zeit weiter ansteigen werden und ich damit bei Tiefstzinsen hängen bliebe. Also vorerst ausklammern und wenn überhaupt in kurze Laufzeiten gehen. Aber eher nicht.

Mein Fazit des Depotchecks:

Nicht schlecht, ganz ordentliche und raisonnable Vorschläge, die gute Anlageprodukte beinhalten. Doch ersetzt ein derartiger Vorschlag, der ja durch eine objektive Sofware erstellt wurde, nicht das gründliche Befassen mit dem Thema Anlage. Ich halte es für leichtsinnig, solchen Vorschlägen blind zu vertrauen. Wenn man sich entschließt, sein Geld anzulegen, kann man diese Analyse als Hilfsmittel in Anspruch nehmen. Genauso wie die Bankberater, die man als Stütze und Informationsquelle nutzen kann. Aber auch denen gegenüber ist blindes Vetrauen unangebracht.