Brief an Mozart

  • January 27, 2006 12:54

Na gut, so ein Geburtstag ist schon ganz beachtlich. Vor allem die Tatsache, dass bei den meisten Menschen der 250ste keine weitere Beachtung mehr findet, da sich keine Sau mehr für einen interessiert. Das ist bei Dir dann doch gänzlich anders.

Aber das Ganze wird, wie es heutzutage üblich ist, ins Gegenteil verkehrt und gnadenlos übertrieben. Ich weiß nicht, ob es so wünschenwert ist, wenn einen Tag vor dem Geburtstag im Fernsehen eine Mozart-Show gesendet wird, wo bruchstückhaft mal Deine Handschrift vom Rondo alla turca gezeigt wird und gleich danach auch gespielt wird, was übrigens ganz häßlich war! Ich konnte da kein viriles Säbelrasseln der Türken erkennen. Nur verhuschtes Gewusel. Dann ein Fernsehkoch mit sehr peinlicher Mütze, die an Deine Epoche erinnern soll, der Kartoffeln mit Austern und Kapaun mit Trüffeln füllt. Außerdem ein kleiner Komiker, der ein paar Zeilen aus den Briefen an Deine Base vorliest und feststellt, dass Du besser Musik als Briefe schreiben konntest. Oh Mann! Stell Dir das mal vor: da sitzt eine alte Omma mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Sofa und sagt, dass Du nicht hübsch warst und daher wohl kein Weiberheld. Vielleicht hättest Du was mit dem Bäsle gehabt. Und Du seist koboldhaft gewesen. Nett, was? Vor allem: Wen interessiert denn das?

Dann wird noch eine Locke Deiner Haare gezeigt, DNA-Analysen hätten ergeben, dass es vielleicht oder vielleicht auch nicht Deine Locke sei. Ein Brasilianer singt ein bisserl Girl from Ipanema. Das kennst Du nicht. Hat in den 1960er Jahren eine Brasilianerin namens Astrud Gilberto gesungen und war ein großer Erfolg. Wird immer wieder aufgenommen. Das Epigonentum ist in der Musik ein richtiger Virus. Ich weiß, das gab es schon zu Deiner Zeit. Nur scheint es mir, als ob es nur noch ausschließlich mittlemäßige Epigonen in der heutigen Zeit gibt. Keiner hat zündende Ideen. Altes wird wieder aufgebrüht und verarbeitet. Der Brasilianer mischte also dieses Girl from Ipanema mit der Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen. Damit es nicht so konventionell ist, hat er die Königin der Nacht im Sopran gesungen. Naja. Ganz unterhaltsam, aber nicht der Brüller. Ich kann mir vorstellen, dass es einige Leute verstört, dass Männer wie Frauen singen. Stell’ Dir das mal vor: Ein Altus ist heute ein seltenes Tier!

Oh, und Du hättest mal sehen müssen, wie wohlerzogen die schlauen Leute auf dem Sofa über Deine “Leck mich am Arsch”-Kompositionen und -Briefe geredet haben. Jaja, “Fäkalsprache” und “Fäkalthemen” seien zu Deiner Zeit nichts Besonderes gewesen.

Und weißt Du was? Das war nicht die einzige Sendung über Dich. Du wirst inflationär in den Medien gehandelt. Dagegen war Schiller (ja, der war auch in Mannheim – jedoch erfolgreicher als Du… Sorry!) im letzten Jahr selten auf der Mattscheibe ein Thema.

Da erzählt dann ein Schlaumeier, dass Deine Musik an einigen Stellen biographisch sei, gerade wenn es dann mal nicht in Dur verfasst ist, der Nächste sagt: ‘Nein, nein, Mozarts Musik darf unter keinen Umständen biografisch verstanden werden, da blablablablablabla.’ Die Leute sind alle ganz geil darauf, zu wissen, wie es Dir ging. Ob Dein d-moll-Konzert eine Krise bedeutet oder ob das Requiem eine psychologische Offenbarung ist.

Mensch Wolferl, das hättest Du doch mal in einem Tagebuch oder so festhalten können. Dann müssten die Heinis das nicht andauernd in der Öffentlichkeit plattwalzen. :-)

Ich kann da nur den Kanon “Leck mich am Arsch” zitieren, weil das ganze Buhau ziemlich nervt.

Mir bleibt Dir noch zu sagen, dass Deine Musik Spaß macht. Ich spiele gerne Deine Sonaten, wobei ich gar nicht genau sagen kann, welche nun meine liebste ist. Alle haben die “jetzt geht es aber ab”-Momente. Auch Deine Klavierkonzerte sind die Wucht in Tüten. Klar mag ich das d-moll-Konzert besonders, weil da so schön die Post abgeht. Ich liebe es auch, Komm lieber Mai und mache… von Januar bis April zu singen, weil ich den Mai sehnsüchtig erwarte und kein anderes Lied mein Warten so ausdrückt.
Ach, und für den Figaro bin ich Dir besonders dankbar. Das Libretto hast Du klug gewählt. Und die Musik! Ich kann Dir gar nicht sagen, welches Geschenk Du mir damit gemacht hast… Allein schon die Ouvertüre bringt mein Blut zum Kochen. Aber wenn im Finale alles wieder in Reine kommt und alle gemeinsam singen…! Ich habe in meiner Studibude dieses Finale oft nachts mit Kopfhörern auf den Ohren am Fenster in die Welt hinausdirigiert. Dabei dachte ich immer, dass die Menschen, die diese Musik nicht kennen, sehr, sehr arm sind. Das denke ich übrigens immer noch. Aber danke, dass Du mich damit reich machst. Wieder und wieder.

So, jetzt aber genug.

Viel Erfolg kann ich Dir ja nicht mehr wünschen, denn den hast Du ja. Gesundheit ist auch schwierig, wenn man bedenkt, dass von Deiner Biomasse nicht mehr viel übrig ist. Daher wünsche ich uns beiden zu Deinem Geburtstag noch sehr viele schöne Stunden gemeinsamen Musizierens – Deine Noten, mein Spiel.

Deine Juju

Chartier Paris

  • January 26, 2006 11:18

Als Martin und ich vor drei Jahren in Paris waren, wollten wir auch schon bei Chartier essen. Meine Freundin Hélène hatte mir dieses Resto wärmstens empfohlen. Also sind wir dorthin, doch stand eine lange Schlange vor der Tür. Völlig überfüllt!!! Da es damals regnete, wir keinen Schirm hatten und recht hungrig waren, strichen wir die Segel. Doch dieses Mal hat es geklappt. es war Montag und daher nicht derartig voll.

Chartier ist nicht auf den ersten Blick zu sehen. In einer kleinen Seitenstraße, die sich Faubourg de Montmartre nennt (Man steigt bei Bonnes Nouvelles aus der Métro), liegt das Gebäude in der zweiten Reihe. Ein paar Pfeile weisen darauf hin, dass man erst durch einen Gang zum Innenhof gehen muss, um zu dem Restaurant zu gelangen.

Plötzlich ist dann ein wunderbar altes Restaurant zu sehen. Chartier ist eine große Halle mit hoher Decke, wunderbaren Fin-de-Siècle-Lampen und dunklem Holz. Die Tischreihen werden durch Gepäckstangen, auf die man Tüten und Mäntel legt, getrennt. Es hat etwas von einer Bahnhofshalle. Die Garcons sind in ihrer typischen Tracht mit langer weißer Schürze und Fliege. Und sie sind, ganz wie ich es mir vorstelle, nicht auf den Mund gefallen: Charmant und witzig mit einem Hauch von Süffisanz.

Chartier gibt es seit 1896. Die Preise sind wirklich günstig. Ein Entrée kann man schon für 2 Euro haben, die teuersten Plats sind bei 11 Euro angesiedelt. Die Küche ist rustikal und sehr französisch. Terrine de lapin, Escargots, Jambon de Bayonne, Tête de veau, Andouillette, Entrecôte, Tarte normande, Crème de marrons usw. Die Portionen können sich sehen lassen.

Der Garcon legt für die Bestellungen einen Merkzettel an, der unter die Tischdecke geklemmt wird. Zum Bezahlen wird die Papierauflage der Tischdecke zum Erstellen der Rechnung zweckentfremdet. Die Preise werden darauf schriftlich addiert – ein bisserl Mathe müssen die schon können! :-) Et voilà – l’addition!

Wir waren total begeistert. Früher sind dort wohl die Marktleute hingegangen. Chartier war die Suppenküche, weshalb es auch ursprünglich Bouillon Chartier heißt. Diesen Charme hat sich das Resto erhalten. Ich kann es nur wärmstens empfehlen!

Paris est une blonde!

  • January 13, 2006 11:23

Wie praktisch ist doch für solche Trips das Internet. Flüge bei der Lufthansa oder Air France, Hotel bei Hotels-Paris mit Discount, Tickets für “Philémon et Baucis” von Gluck in der Opéra Garnier und Reservierung im Procope.

Die Grundausstattung ist somit bereits gesichert. Dann ist es auch noch hilfreich zu wissen, wo man außerhalb des Louvres noch Eintrittskarten kaufen kann. Die Fnac bietet auch Online-Reservierungen an, doch die kosten dann gleich 4 Euro mehr als am Schalter. Tickets erhält man also bei der Fnac, Virgin Megastore, Auchan, Galéries Lafayette, Printemps, Carrefour und le bon marché. Sehr praktisch, da man so die ellenlangen Schlangen im Museum umgehen kann.

Außerdem steht dieses Mal auch die Besichtigung der schaurig-schönen Katakomben an. Die Internetpräsenz gibt hierfür auch die notwendigen Infos.

Und damit die achats pendant les soldes nicht zu kurz kommen, wollen wir am Sonntag nach dem Frühstück die boutiques in La vallée abklappern.

Ich freue mich sehr auf diese Kurzreise. Paris ist für mich tatsächlich “la plus belle ville du monde”. Sie ist nicht nur vom Äußeren her sehr schön, sie ist für mich noch etwas glänzender und plus belle durch meine persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen. Ach, was gäbe ich nicht alles dafür, noch einmal mit meinem Vater dorthin zu reisen… Er hätte sicher auch gerne wieder unbeschwerte Tage in dieser Stadt verbracht.