Als Martin und ich vor drei Jahren in Paris waren, wollten wir auch schon bei Chartier essen. Meine Freundin Hélène hatte mir dieses Resto wärmstens empfohlen. Also sind wir dorthin, doch stand eine lange Schlange vor der Tür. Völlig überfüllt!!! Da es damals regnete, wir keinen Schirm hatten und recht hungrig waren, strichen wir die Segel. Doch dieses Mal hat es geklappt. es war Montag und daher nicht derartig voll.
Chartier ist nicht auf den ersten Blick zu sehen. In einer kleinen Seitenstraße, die sich Faubourg de Montmartre nennt (Man steigt bei Bonnes Nouvelles aus der Métro), liegt das Gebäude in der zweiten Reihe. Ein paar Pfeile weisen darauf hin, dass man erst durch einen Gang zum Innenhof gehen muss, um zu dem Restaurant zu gelangen.
Plötzlich ist dann ein wunderbar altes Restaurant zu sehen. Chartier ist eine große Halle mit hoher Decke, wunderbaren Fin-de-Siècle-Lampen und dunklem Holz. Die Tischreihen werden durch Gepäckstangen, auf die man Tüten und Mäntel legt, getrennt. Es hat etwas von einer Bahnhofshalle. Die Garcons sind in ihrer typischen Tracht mit langer weißer Schürze und Fliege. Und sie sind, ganz wie ich es mir vorstelle, nicht auf den Mund gefallen: Charmant und witzig mit einem Hauch von Süffisanz.
Chartier gibt es seit 1896. Die Preise sind wirklich günstig. Ein Entrée kann man schon für 2 Euro haben, die teuersten Plats sind bei 11 Euro angesiedelt. Die Küche ist rustikal und sehr französisch. Terrine de lapin, Escargots, Jambon de Bayonne, Tête de veau, Andouillette, Entrecôte, Tarte normande, Crème de marrons usw. Die Portionen können sich sehen lassen.
Der Garcon legt für die Bestellungen einen Merkzettel an, der unter die Tischdecke geklemmt wird. Zum Bezahlen wird die Papierauflage der Tischdecke zum Erstellen der Rechnung zweckentfremdet. Die Preise werden darauf schriftlich addiert – ein bisserl Mathe müssen die schon können!
Et voilà – l’addition!
Wir waren total begeistert. Früher sind dort wohl die Marktleute hingegangen. Chartier war die Suppenküche, weshalb es auch ursprünglich Bouillon Chartier heißt. Diesen Charme hat sich das Resto erhalten. Ich kann es nur wärmstens empfehlen!