MoschMosch Mainz

  • September 27, 2006 17:55

Was in Japan uns gefallen hat, waren die Ramen-Shops. Nudelbars, wo man leckere Nudelsuppen, Gyoza und Bratreis auf die Schnelle essen kann. Die Nudeln werden natürlich vor Ort gemacht und wandern postwendend in den Kochtopf. Sowas hatte bislang hier gefehlt. Nicht nachvollziehbar, weil das Konzept gut und überzeugend ist.

Seit Frühjahr dieses Jahres gibt es aber den ersten japanischen Nudelladen hier vor Ort: das MoschMosch. Es scheint sich hierbei um einen Versuch zu handeln, eine Nudelbar-Kette aufzubauen. Der Ursprungsladen ist in Frankfurt ansässig.

Die Einrichtung ist schon recht nett: Stylish und mit viel Holz. Mir fällt irgendwie skandinavisches Design dazu ein. Ich empfinde die Atmo als ganz gelungen. Mit einer unromantischen Nudelbar in Japan hat das freilich nur wenig zu tun. Die Karte ist die europäische Interpretation des Ramen-Universums, aber ist auf den ersten Blick interessant. Neben Nudelsuppen gibt es eine Reihe an Bratvariationen und auch noch andere Dinge, die nicht unbedingt in das Nudel-Shop-Sortiment fallen. Zu meiner Freude gibt es dort Gyoza, Edamame und Kimchi.

Aber dann kamen die Nudeln. Und die waren eine große Enttäuschung. Die Köche nehmen ganz banale Spaghetti um die Suppen zu machen. Mit Ramen haben die Nudeln nichts gemein, außer dass sie auch lang sind. Aber das war es auch schon.

Somit hatte sich dann unsere Freude über einen “japanischen” Nudelladen wieder gelegt. Die Gerichte sind nicht schlecht. Das eine oder andere ist vielleicht eher langweilig von der Würzung. Aber schlecht ist die Qualität nicht zu nennen.

Warum werden bloß einfache, dicke und unflexible Spaghetti in die Suppe gepackt?

Und weshalb wird dann auch noch auf Papier erklärt, dass es sich um hausgemachte japanische Nudeln handelt?

Komisch. Ich habe da noch keine Köche wie in der japanischen Originalversion vor dampfenden Töpfen lange Nudeln herausfischen sehen…

Wer mal etwas anderes als den ewigen deutschen Chinesen aufsuchen möchte, gleichzeitig aber im Asia-Bereich bleiben will, der kann ruhig mal das MoschMosch aufsuchen. Beginnt man jedoch direkt mit Ramen-Shops zu vergleichen, kann man sich den Besuch sparen, da hiermit das MoschMosch nicht im Entferntesten mithalten kann.

Ich muss allerding ganz ehrlich gestehen, dass ich lieber den Weg zum genialen Vietnamesen Quan Van nach Wiesbaden auf mich nehme. Da kommt das MoschMosch nicht mit.

Apropos Nudeln: Abgefahren war der Nudelmann, den wir in einem Hot-Pot-Restau in China erlebt haben. Den sieht man übrigens auf dem Photo. Der Nudelprofi kam mit einem Teigkloß an den Tisch, zog diesen auseinander und wirbelte schließlich den Teig um sich herum wie eine russische Turnerin mit Gymnastikband. Eine coole Performance, die Aufmerksamkeit weckt. Wer möchte nicht auch mal eine ewig lange, meisterlich geschwungene Hula-Hoop-Nudel in seinem Topf haben?

Ein Quiche für alle Fälle

  • September 24, 2006 00:03

Wenn ich nicht weiß, was ich zu essen machen soll, gibt es Quiche. Die Grundingredentien habe ich immer vorrätig, die da seien:

Blätterteigrolle (friere ich immer ein), 4-6 Eier, Käse (als Raspel, Feta oder zerpflückter Weichkäse) PUNKT.


Hat man das, ist der Rest ein Kinderspiel. Ich nehme meist eine eckige Auflaufform, die ich zunächst mit Öl auspinsele. Dann einen Esslöffel Mehl daraufgeben und bestäuben. Restliches via Spüle entfernen. Dann den Blätterteig auslegen. Die vorherige Prozedur verhindert, dass der Teig festklebt und man unschön zermatschte Stücke erhält.

Für Quiche lorraine nimmt man feingehackte Zwiebeln, gekochten und rohen Schinken zu gleichen Teilen sowie Petersilie. Alles ab in die Form und mit Eimasse (die schon mit Salz und Pfeffer gewürzt ist) übergießen. Käse drüber und ab in den Ofen. Nach spätestens 45 min ist die Quiche fertig.

Da ich gerne Spinat mag, gebe ich Blattspinat mit Zwiebeln und vielleicht ein paar Tomaten (allerdings nur das Fleisch) in die Form und streue Feta darüber. Eimasse nicht vergessen. Leckere Angelegenheit!

Mit Sauerkraut schmeckt Quiche auch sehr gut. Ein Paket Sauerkraut ausdrücken und danach in der Form verteilen. Wer mag, gibt noch Kümmel und Zwiebeln dazu. Eimasse, kräftiger Käse (gerne auch Munster) drüber und ab in den Ofen.

Im Frühsommer habe ich Spargelquiche gemacht, was auch sehr gut ankam. Oder wenn Gemüsesorten im Kühlschrank vor sich hinvegetieren, ist die Verarbeitung zum Quiche nicht weit. Paprika sollte man jedoch etwas vorgaren (entweder blanchieren oder in der Mikro angaren). Ich stelle mir Quiche auch mit Brokkoli sehr lecker vor. Dafür muss der Brokkoli aber in kleine Röschen zerteilt werden.

Nordkorea

  • September 19, 2006 21:50

Seltsame Bilder habe ich da im Fernsehen gesehen “Einblicke in ein verschlossenes Land“. Wieviel von dem, was man da sieht, ist wahrhaftig, was ist extra gestellt?

Wenn kleine dicke Schuljungens brüllen, dass sie Englisch lernen, um sich mit Ausländern unterhalten zu können, stimmt mich das schon nachdenklich. In Nordkorea bekommen anscheinend “normale” Genossen sehr große Schwierigkeiten, wenn sie mit Ausländern sprechen, ja selbst wenn sie von Ausländern angesprochen werden. Was nützt dann übrigens Englisch? Imperialisten kennenlernen und sie dann mit eigenen Waffen schlagen?

In einem Artikel der F.A.S. über den Sohn des geliebten Führers Kim Il Sung, Kim Jong Il, wurde über die perfekte Inszenierung der VR für ausländische Touristen berichtet. Hierbei fand ich besonders bemerkenswert, dass die Journalisten zu einem Filmdreh eines Kampffilmes geführt wurden, was anscheinend recht spektakulär war. Es gab da nur einen kleinen Schönheitsfehler in der Mise-en-Scène: Das technische Equipment hatte keine Stromkabel. Da bliebt mir beim Lesen auf halber Strecke das Lachen im Halse stecken. Auch wurde berichtet, dass in der U-Bahn von Pyöngyang offenbar Statisten die “Bühne” bevölkerten, die dummerweise sehr offensichtlich für die Ausländer bestellt waren (Marke: Zeitung verkehrt herum lesen und so weiter).

Das macht mich neugierig. Ich würde mir selber gerne ein Bild machen. Wie es da wohl ist? Wie ich mich dort fühlen würde, in einem verstaubten Relikt der Vergangenheit politischer Systeme? Wie lässt es sich dort atmen? China, obgleich VR, ist dem Archaismus von der Schippe gehüpft und zieht eine chinesische Interpretation von Maoismus und Kapitalismus durch. Den Hans steckt der Handel einfach im Blut. Geschichtlich betrachtet, haben sie eigentlich den Hardcore-Kapitalismus “erfunden”. Daher ist das KP-Feeling für Reisende dort nur rudimentär zu spüren.

Und genau das ist es, was mich so an Nordkorea reizen würde. Offenbar haben mich die Erzählungen meines Vaters, der während des kalten Krieges hinter dem Eisernen Vorhang mit rein kapitalistischen Absichten unterwegs war, weitestgehend infiltriert.

Die Sache hat allerdings einen gravierenden Haken: Nach Nordkorea kann man, wenn ich das richtig verstanden habe, nur sehr kompliziert einreisen. Und dann auch noch mit der staatlichen Fluggesellschaft “Air Koryo“. Und in die Dinger kriegen mich tatsächlich keine zehn Pferde. Die Website allein ist schon ziemlich furchteinflößend…

Man kann aber auch Ausflüge von Südkorea aus starten. Wie da die genauen Modalitäten sind, weiß ich nicht. Sobald ich die in Erfahrung gebracht habe, rückt Korea als Reiseziel an die vorderste Stelle.