Seitdem ich im Schulalltag stecke, lese ich teils nur ein paar Zeilen im Bett und dann ist “Schicht im Schacht”. Durchschnittliche Bücher erweisen sich bei einem solchen Vorgehen als extrem zäh und undankbar, da mir mangels intelligenter Spannung bereits nach einer Seite die Augen zufallen. Das Elend kann sich somit über Wochen erstrecken.

Aber dann kam Zafon mit diesem wunderbaren Roman. In jeder Seite steckt Esprit und Liebe zu den Protagonisten der Handlung.

Daniel wird im Barcelona der 50er Jahren von seinem Vater, einem Buchhändler, mit zu dem unterirdischen Friedhof der Bücher genommen. Dort darf er sich ein Buch aussuchen und fischt sich einen Roman des Schriftstellers Julian Carax aus den Regalen. Der Roman trifft seinen Nerv und fortan hütet der Junge die bedruckten Seiten wie seinen Augapfel. Da, wie es sich herausstellt, es sich um das einzige Exemplar des weitgehend unbekannten Carax handelt, bieten andere Buchhändler Daniel hohe Summen. Doch dieser gibt es nicht her.

Doch wer war oder ist Julian Carax? Und weshalb sind all seine veröffenlichten Romane von einem Unbekannten verbrannt worden? Daniel begibt sich auf eine jahrelange Ergründung des Falls “Carax” und stellt fest, dass seine eigene Geschichte fast eine Wiederholung der tragischen Historie des Schriftstellers ist. Aber eben nur fast.

Mir gefällt an dem Buch besonders die liebevolle Schilderung der Charaktere, allen voran der gestrandeten Seele, Fermin. Er wird als Bettler von Daniel aufgegabelt und mit nach hause genommen. Daniels Vater gibt ihm eine Anstellung in seinem Antiquariat, wo das gewitzte Männchen auflebt und den Alltag auf das Herrlichste bereichert. Ein wenig Arléquin… einfach schön!

Die letzten Kapitel habe ich in China im Zug gelesen und habe dann an meinen Reisegefährten (Typ: Ken Follet, John Grisham) weitergegeben. Zu meinem Erstaunen hat auch er das Buch einmal mit Haut und Haaren verschlungen und war berührt.

Fazit: LESEN!