Seltsame Bilder habe ich da im Fernsehen gesehen “Einblicke in ein verschlossenes Land“. Wieviel von dem, was man da sieht, ist wahrhaftig, was ist extra gestellt?

Wenn kleine dicke Schuljungens brüllen, dass sie Englisch lernen, um sich mit Ausländern unterhalten zu können, stimmt mich das schon nachdenklich. In Nordkorea bekommen anscheinend “normale” Genossen sehr große Schwierigkeiten, wenn sie mit Ausländern sprechen, ja selbst wenn sie von Ausländern angesprochen werden. Was nützt dann übrigens Englisch? Imperialisten kennenlernen und sie dann mit eigenen Waffen schlagen?

In einem Artikel der F.A.S. über den Sohn des geliebten Führers Kim Il Sung, Kim Jong Il, wurde über die perfekte Inszenierung der VR für ausländische Touristen berichtet. Hierbei fand ich besonders bemerkenswert, dass die Journalisten zu einem Filmdreh eines Kampffilmes geführt wurden, was anscheinend recht spektakulär war. Es gab da nur einen kleinen Schönheitsfehler in der Mise-en-Scène: Das technische Equipment hatte keine Stromkabel. Da bliebt mir beim Lesen auf halber Strecke das Lachen im Halse stecken. Auch wurde berichtet, dass in der U-Bahn von Pyöngyang offenbar Statisten die “Bühne” bevölkerten, die dummerweise sehr offensichtlich für die Ausländer bestellt waren (Marke: Zeitung verkehrt herum lesen und so weiter).

Das macht mich neugierig. Ich würde mir selber gerne ein Bild machen. Wie es da wohl ist? Wie ich mich dort fühlen würde, in einem verstaubten Relikt der Vergangenheit politischer Systeme? Wie lässt es sich dort atmen? China, obgleich VR, ist dem Archaismus von der Schippe gehüpft und zieht eine chinesische Interpretation von Maoismus und Kapitalismus durch. Den Hans steckt der Handel einfach im Blut. Geschichtlich betrachtet, haben sie eigentlich den Hardcore-Kapitalismus “erfunden”. Daher ist das KP-Feeling für Reisende dort nur rudimentär zu spüren.

Und genau das ist es, was mich so an Nordkorea reizen würde. Offenbar haben mich die Erzählungen meines Vaters, der während des kalten Krieges hinter dem Eisernen Vorhang mit rein kapitalistischen Absichten unterwegs war, weitestgehend infiltriert.

Die Sache hat allerdings einen gravierenden Haken: Nach Nordkorea kann man, wenn ich das richtig verstanden habe, nur sehr kompliziert einreisen. Und dann auch noch mit der staatlichen Fluggesellschaft “Air Koryo“. Und in die Dinger kriegen mich tatsächlich keine zehn Pferde. Die Website allein ist schon ziemlich furchteinflößend…

Man kann aber auch Ausflüge von Südkorea aus starten. Wie da die genauen Modalitäten sind, weiß ich nicht. Sobald ich die in Erfahrung gebracht habe, rückt Korea als Reiseziel an die vorderste Stelle.