Was in Japan uns gefallen hat, waren die Ramen-Shops. Nudelbars, wo man leckere Nudelsuppen, Gyoza und Bratreis auf die Schnelle essen kann. Die Nudeln werden natürlich vor Ort gemacht und wandern postwendend in den Kochtopf. Sowas hatte bislang hier gefehlt. Nicht nachvollziehbar, weil das Konzept gut und überzeugend ist.

Seit Frühjahr dieses Jahres gibt es aber den ersten japanischen Nudelladen hier vor Ort: das MoschMosch. Es scheint sich hierbei um einen Versuch zu handeln, eine Nudelbar-Kette aufzubauen. Der Ursprungsladen ist in Frankfurt ansässig.

Die Einrichtung ist schon recht nett: Stylish und mit viel Holz. Mir fällt irgendwie skandinavisches Design dazu ein. Ich empfinde die Atmo als ganz gelungen. Mit einer unromantischen Nudelbar in Japan hat das freilich nur wenig zu tun. Die Karte ist die europäische Interpretation des Ramen-Universums, aber ist auf den ersten Blick interessant. Neben Nudelsuppen gibt es eine Reihe an Bratvariationen und auch noch andere Dinge, die nicht unbedingt in das Nudel-Shop-Sortiment fallen. Zu meiner Freude gibt es dort Gyoza, Edamame und Kimchi.

Aber dann kamen die Nudeln. Und die waren eine große Enttäuschung. Die Köche nehmen ganz banale Spaghetti um die Suppen zu machen. Mit Ramen haben die Nudeln nichts gemein, außer dass sie auch lang sind. Aber das war es auch schon.

Somit hatte sich dann unsere Freude über einen “japanischen” Nudelladen wieder gelegt. Die Gerichte sind nicht schlecht. Das eine oder andere ist vielleicht eher langweilig von der Würzung. Aber schlecht ist die Qualität nicht zu nennen.

Warum werden bloß einfache, dicke und unflexible Spaghetti in die Suppe gepackt?

Und weshalb wird dann auch noch auf Papier erklärt, dass es sich um hausgemachte japanische Nudeln handelt?

Komisch. Ich habe da noch keine Köche wie in der japanischen Originalversion vor dampfenden Töpfen lange Nudeln herausfischen sehen…

Wer mal etwas anderes als den ewigen deutschen Chinesen aufsuchen möchte, gleichzeitig aber im Asia-Bereich bleiben will, der kann ruhig mal das MoschMosch aufsuchen. Beginnt man jedoch direkt mit Ramen-Shops zu vergleichen, kann man sich den Besuch sparen, da hiermit das MoschMosch nicht im Entferntesten mithalten kann.

Ich muss allerding ganz ehrlich gestehen, dass ich lieber den Weg zum genialen Vietnamesen Quan Van nach Wiesbaden auf mich nehme. Da kommt das MoschMosch nicht mit.

Apropos Nudeln: Abgefahren war der Nudelmann, den wir in einem Hot-Pot-Restau in China erlebt haben. Den sieht man übrigens auf dem Photo. Der Nudelprofi kam mit einem Teigkloß an den Tisch, zog diesen auseinander und wirbelte schließlich den Teig um sich herum wie eine russische Turnerin mit Gymnastikband. Eine coole Performance, die Aufmerksamkeit weckt. Wer möchte nicht auch mal eine ewig lange, meisterlich geschwungene Hula-Hoop-Nudel in seinem Topf haben?