
Die noerdliche Hauptstadt haben wir am Ankunftstag mit dem Rad erkundet. Soweit wie moeglich, natuerlich. Wir haben eigentlich den vorgesehenen Plan durchgezogen und hatten ausserdem noch Zeit fuer eine ausgiebige Massage, bei der zeitweilig die Befuerchtungen in uns aufkeimten mit Knochenbruechen das Etablissement auf dem Jianguomenwai Dajie zu verlassen. Die Chinesen sind nicht zimperlich und erst wenn es weh tut, scheint es gerade recht zu sein. Aua. Obwohl… zum Schluß war ich so müde und abgestumpft, dass ich sogar unter den Bedingungen eingeschlafen bin.
Es ist gerade die Hauptreisezeit fuer Chinesen – die Verbotene Stadt war wie ein riesiges Ameisennest, es war schon beinahe schwierig, durch das Tor des himmlischen Friedens zu kommen. Echter Wahnsinn. Aber ich fand es nicht unangenehm. Einfach sich vom Menschenstrom davontragenlassen.
Gegen Abend sind wir durch die Hutaonggegenden um Qianenmen geradelt. Ich sollte besser sagen, was von den Hutongs noch uebrig geblieben ist. Da, wo ich mit Wang Tai Tai vor vier
Jahren entlang geschlendert bin und Stoffe gekauft habe, ist jetzt alles platt. Als ob jemand mit einem Riesenfuss daraufgetreten sei. Eine Schuttgrube hinter Bauzaeunen. Wie es dort wohl in 2 Jahren aussehen wird?
Aber wir haben dann doch noch ein paar Hutongs sehen koennen. Es gibt sie noch…
Am ersten Abend wollten wir Pekingente essen und standen mit den Raedern vor dem Quanjude Roasted Duck, eine Kette in China. Da hat uns doch tatsaechlich eine Tussi in das angebliche Zweitrestaurant gelotst, was soviel mit Quanjude zu tun hatte, wie ich mit dem ollen Mao.
Auf dem Weg dorthin gingen wir durch einen dunkleren Marktdurchgang. Martin war schon weit vor mir. Ich steckte zwischen Chinesen fest. Ein Chinese checkte direkt vor mir, ob ein dort abgestelltes Rad abgeschlossen oder nicht sei. Leider war es verriegelt, war nichts mit ‘nem Klau. Waehrend ich dabei war, meine Kinnlade wieder hochzufahren, merke ich, wie etwas an meinem Rucksack zuppelt. Ich drehe mich um, glotzt mich so ein Eierdieb ganz unbeteilgt an (“dubbidubbiduuuu…”). Ich ziehe meinen Rucksack schnell nach vorne. Der Reissverschluss war bereits ein ausreichendes Stueck aufgezogen. Unter lautem Gezeter habe ich das Ding wieder zugemacht, verknotet und vor den Bauch gebunden. Der Dubidu-Typ hat sich dabei verdrueckt. Tja, Pech fuer ihn, Glueck fuer mich. Es waeren anderenfalls neben meinem gesamten Geld unsere Reisepaesse ueber die Wupper gewesen.
Schnauf.
Das Essen in dem mitgeschnackten Restaurant war aber ganz OK. Ein mittelalter Chinese unterhielt mit seinen großen, geschwungenen Reden zwar das gesamte Restaurant und die Entensuppe hatte was von Abwaschwasser. Egal. Zwei grosse Flaschen Qingdao Piju haben den Abend versoehnlich beendet.