In China haben wir mehrmals längere und kürzere Strecken mit den gewaltigen und ewig langen Zügen zurückgelegt. In jedem Reiseführer steht zwar, dass es kein Problem darstellt, für die erste Klasse Tickets zu bekommen. Im übrigen sei das auch die einzig empfehlenswerte Reiseklasse. Komischerweise haben wir nicht ein einziges Mal diese Klasse buchen können. Allerdings war die “Holzklasse” durchaus annehmbar. Vor allem war sie echt billig! Für die Strecke Xi’an – Luoyang beispielsweise haben wir ungefähr 6 EUR ausgegeben. Wahrscheinlich war es sogar noch weniger.


Das Einsteigen in den Zug ist bereits ein mittleres Abenteuer. Je mehr gedrängelt wird, desto besser. Und jede Generation macht da kräftig mit. Kaum hat sich dann der Zug in Bewegung gesetzt, fangen alle an, ihren Proviant auszupacken oder sich bei dem andauernd vorbeigeschobenen Esseswagen einzudecken. Das gilt nicht nur fuer lange Fahrten. Auch bei Strecken von einer Stunde werden die dick gepackten Plastiktueten ausgepackt und Kekse und allerlei seltsame Dinge gegessen. Reisen macht hungrig.

Instantnudelsuppen sind allgegenwaertig. Nach spaetestens 10 Minuten Fahrtzeit rennen zig Chinesen mit den Packungen durch den Zug um sich bei der Schaffnerin oder dem Schaffner heisses Wasser zu besorgen. Aber das ist ja nur der Anfang.

Auf der Reise nach Luoyang saß neben uns eine Familie mit einer kleinen Tochter. Die Mutter nahm einen Apfel und praeparierte diesen fuer die Kleine. Sie biss zunächst die gesamte Schale ab und schmiss diese weg. Erst als der Apfel komplett enthäutet war, durfte das Kind essen.

Froehlich schmatzten heute auf der Fahrt drei Chinesen auf Huehnerkrallen, die man im Zugkiosk eingeschweisst in Plastik erstehen kann, herum. Die Knorpel spuckten sie auf das kleine Tablett, das auf jedem kleinen Tischchen steht und wohl einzig diesen Zweck erfuellt. Die “mit mehr als 3 gr im Mund spricht es sich nicht gut”- Regel gilt uebrigens nicht. Laut schmatzend und diskutierend wurden die Krallen abgenagt, das es nur so eine Wonne war. Zwischenzeitlich kam dann mal wieder der Schaffner und fegte mit einem Reisigbesen den Boden. Das wird einmal stuendlich gemacht, und es ist erstaunlich wieviel Dreck da jedesmal zusammengeklaubt wird. Alles Essensreste.

Das Fressen steckt aber an. Wir decken uns jetzt auch schon vorsorglich mit Nudelsuppe am Bahnhof ein. Und das Essensangebot in den vorbeigeschobenen Wägelchen ist gar nicht schlecht. Die Gerichte haben uns bislang immer recht gut geschmeckt.