Privatanleger als Lonely Ranger

  • July 15, 2005 11:18

Seit Anfang Mai macht es richtig Spass, sich um Aktienindizes in Deutschland zu kümmern. Da passiert endlich mal was in Richtung Bulle. Immer wieder werden 3-Jahres-Höchststände erreicht. Als ein gutes Einstiegsmoment erwies sich, es mag zwar herb klingen, der Terrortag von London. Selbst die großen Werte knickten kurzzeitig ziemlich stark ein. Ich habe den Tag genutzt, um in die am stärksten darauf reagierenden Brancheneinzusteigen. Allianz, Deutsche Bank und Lufthansa. Und was soll ich sagen? War eine gute Entscheidung. Die erste Woche mit diesen Papieren hat sich als sehr angenehm gezeigt.

Auch mein Entschluss, Karstadt Quelle zu kaufen wurde bislang nicht bestraft. Im Gegenteil. Selbst die gestrige Gewinnwarnung, das Aussetzen der Aktien vom Handel und das anschließende Minus haben mich nicht getroffen. Der Middelhoff wird m.E. das Kind schon schaukeln. Da bin ich sehr zuversichtlich.

Die letzten Monate haben mir gezeigt, dass es eigentlich gar nicht so schwer ist, als Privatanleger an der Börse zu investieren. Sobald man mit Aktien handelt, ist es allerdings notwendig, sich emsig darum zu kümmern. Wenn man nicht aufpasst und keine realistischen Verkaufsgrenzen nach oben und nach unten hin setzt, sollte man lieber in einen netten Aktien-, Renten- oder Mischfond investieren.

Um bei Fonds die richtige Wahl zu treffen, schwöre ich auf die Zeitschrift Finanztest. Mit der eher langweiligen Wahl von einem europäischen Aktienfond, einem Rentenfond und einem Mischfond sowie einer kleinen Anzahl von Telekompapieren, die ich sozusagen im Ausverkauf vor ein paar Jahren erworben habe, lassen sich – ohne dass ich mich aktiv darum kümmere – problemlos 13% mindestens p.a. machen. Ich finde das ausgesprochen attraktiv für die private Altersvorsorge (als Zusatz!).

Aber mit etwas Zeit, um sich in die Materie einzuarbeiten und die verschiedenen Stragtegien zu durchdenken, ist es spannend und lukrativ, sich mit Aktienwerten zu befassen. Die Vergangenheit hat mich gelehrt, dass wir nur bestraft werden, wenn wir nicht hingucken. Das ist die einzige Bedingung. Täglich schauen, abwägen und dann auch handeln. Sobald die persönlich abgesteckte Verlustgrenze erreicht ist: Abstoßen! Je nach Wert liegt sie bei mir zwischen 10 und 15 %. Aber jeder sollte sich darüber individuell Gedanken machen.

Allerdings sollte man eines immer beherzigen: NIEMALS die erstbesten Anlageempfehlungen der Anlageberater der Bank befolgen! Ich glaube, dass ich bislang noch nie den Mist gekauft habe, den die mir empfohlen haben. Damit bin ich bisher sehr gut gefahren. Abgesehen von der Tatsachen, dass die Jungs und Mädels ihre Provision für verkaufte Hausprodukte kassieren wollen, haben die oftmals nicht mal Ahnung von der Materie. In den meisten Fällen wird eh nur das wiedergekäut, was man auch am Vortag in der Regionalpresse lesen konnte.

Das bedeutet: Selber denken. Selber Wissen aneignen. Man gibt ja schließlich auch nicht sein Portemonnaie einem wildfremden Menschen. Wem ich mein Geld gebe, will ich genau wissen. Ich will auch wissen, was er voraussichtlich damit machen wird. Wenn ich mir einen genauen Überblick geschaffen habe, dann entschließe ich mich dazu zu handeln. Wie auch immer das aussehen mag.

Eigentlich ganz einfach, oder?

Terror und DAX

  • July 7, 2005 18:47

Als ich es im Radio hörte, konnte ich es nicht fassen, was sich in London zugetragen hat. Angesichts solcher Taten entsteht in mir nur eine unbändige Wut und Verzweiflung, die deshalb so unerträglich ist, weil sie sich gegen etwas Diffuses, nicht Greifbares richtet.

Sollen die doch einfach da bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ich brauche hier keinen Sleeper.

Ich kann mir einfach nicht erklären, wie verstrahlt und dumm Menschen sein können, die durch Dogmen verseucht und verkommen sind. Dabei will doch eigentlich jeder Mensch nur sein Glück. Es kann mir keiner erzählen, dass irgend so ein dahergelaufener Terroristentrottel sich darauf freut, sich selbst und viele andere Menschen in die Luft zu jagen. Das widerspricht der menschlichen Natur und den Instinken. Wir sind doch auf dieser Welt um zu leben. Der Tod kommt schon von ganz alleine. Fanatiker sind pathologische Fälle. Als stinknormaler Mensch kommt mir die Galle hoch, wenn ich daran denke, dass Psychopathen solch einen Schaden anrichten können. Fassungslosigkeit.

Gleichzeitig ist es erstaunlich, wie wir mittlerweile mit dem Terrorismus in Europa umgehen. Mir kommt es vor, als ob die Börsianer den Terroristen mit einem dicken Fell und starkem Willen trotzen. Um die Mittagszeit haben mich die Kurse von Banken und Versicherungen in helle Aufregung versetzt. Ich habe meine 10%-Schmerzgrenze erreicht und verkauft. Für mich war klar, dass es nur noch bergab gehen würde. Die Websiten von n-tv und Onvista.de wurden heute von mir noch öfter als sonst konsultiert.

Aber wie so vieles im Leben kann man auch die Reaktion der Märkte nicht immer verstehen. Die Kurse sehen zwar immer noch nicht so rosig wie vor 3 Wochen aus. Allerdings hat sich meine apokalyptische Vision nicht bewahrheitet. Gottseidank habe ich nicht alle Papiere einfrieren lassen.

Es scheint mir beinahe unsozial, dass die Börse nur mit geringen Schwankungen auf die Anschläge reagiert. Als ob Terror zum okzidentalen Tagesgeschehen gehöre.

In dem ich das schreibe, scheint es mir tatsächlich so, als ob der Terrorismus zum Tagesgeschäft der westlichen Welt gehört. Terror ist der heutige Preis für unsere offene, liberale und freie Gesellschaft. Das Schlimme für mich ist, dass es vollkommen illusorisch ist, mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen im Alltag diesem blutigen Treiben Einhalt zu gebieten. Die erhöhten Sicherheitsstufen sind nur eine oberflächliche Beruhigung für uns, so etwas könne “bei uns” nicht geschehen. Aber wir sind durch unser wertvollstes Gut, die Freiheit, hochgradig angreifbar. Wenn wir uns gegen Terrorismus verteidigen wollen, müssten wir uns abschotten. Aber was wäre das für ein Leben? Was für eine Gesellschaft?!

Also müssen wir weitermachen. Wir sind wir. Die moderne abendländische Gesellschaft. Unsere Wurzel sitzen tief in der Erde, der abendländischen Philosophie. Unseren Stolz können Babaren nicht brechen. Dafür sind die einfach nur in der Minderheit und durch ihre Borniertheit geblendet. Irgendwann werden sie sich totgelaufen haben. Aber wir werden mit unseren Werten noch existieren.

Diesen Weg hat mir heute auf wundersame Weise der DAX gewiesen.