Leo Slezak

  • August 26, 2008 21:11

Obwohl die Aufnahmen ihr Alter nicht verheimlichen können, dringt durch das Rauschen und Knacken eine für mich unvergleichlich schöne Tenorstimme. Der göttliche Leo war einfach gesegnet mit einem so sanften und weichen Schmelz, mit einem weichen Timbre, dass ich es wirklich bedaure 90 Jahr zu spät auf die Welt gekommen zu sein.

Schuberts “Nacht und Träume” sind an und für sich schon einfach ein umwerfendes Lied. Wenn dann Leo Slezak die zarten Töne singt und mit seiner natürlichen Unbefangenheit den Text säuselt, kann ich schlicht nur heulen: so unendlich schön ist die perfekte Symbiose aus Werk und Interpretation.

Oder “Der Jüngling an der Quelle”… ein eigentlich simpel gestricktes Lied. Der wahrhaft “göttliche Leo” gestaltet daraus einen Herzensseufzer eines träumerischen Jünglings. Wundervoll.

Gibt es eigentlich heute noch solche Sänger? Und wenn, wo? Schreiben die auch so putzige Bücher, in denen die Haustiere Zwetschgerl heißen und wie ein “Nachtkasterl” aussehen?

Musikgeschichte in Hörbeispielen

  • May 30, 2006 16:14

Besonders gut gefällt mir, dass man sogar Beipiele aus der Urzeit anhören kann. Ich habe vorher noch nie Töne von einem prähistorischen Instrument gehört! Man könnte fast meinen, das sei die Postmoderne. grins!

Hier der Link, der zu schön um wahr zu sein ist:

AEIOU Österreich

Viel Spaß beim Lauschen und ehrfurchtsvollem Lauschen!

Brief an Mozart

  • January 27, 2006 12:54

Na gut, so ein Geburtstag ist schon ganz beachtlich. Vor allem die Tatsache, dass bei den meisten Menschen der 250ste keine weitere Beachtung mehr findet, da sich keine Sau mehr für einen interessiert. Das ist bei Dir dann doch gänzlich anders.

Aber das Ganze wird, wie es heutzutage üblich ist, ins Gegenteil verkehrt und gnadenlos übertrieben. Ich weiß nicht, ob es so wünschenwert ist, wenn einen Tag vor dem Geburtstag im Fernsehen eine Mozart-Show gesendet wird, wo bruchstückhaft mal Deine Handschrift vom Rondo alla turca gezeigt wird und gleich danach auch gespielt wird, was übrigens ganz häßlich war! Ich konnte da kein viriles Säbelrasseln der Türken erkennen. Nur verhuschtes Gewusel. Dann ein Fernsehkoch mit sehr peinlicher Mütze, die an Deine Epoche erinnern soll, der Kartoffeln mit Austern und Kapaun mit Trüffeln füllt. Außerdem ein kleiner Komiker, der ein paar Zeilen aus den Briefen an Deine Base vorliest und feststellt, dass Du besser Musik als Briefe schreiben konntest. Oh Mann! Stell Dir das mal vor: da sitzt eine alte Omma mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Sofa und sagt, dass Du nicht hübsch warst und daher wohl kein Weiberheld. Vielleicht hättest Du was mit dem Bäsle gehabt. Und Du seist koboldhaft gewesen. Nett, was? Vor allem: Wen interessiert denn das?

Dann wird noch eine Locke Deiner Haare gezeigt, DNA-Analysen hätten ergeben, dass es vielleicht oder vielleicht auch nicht Deine Locke sei. Ein Brasilianer singt ein bisserl Girl from Ipanema. Das kennst Du nicht. Hat in den 1960er Jahren eine Brasilianerin namens Astrud Gilberto gesungen und war ein großer Erfolg. Wird immer wieder aufgenommen. Das Epigonentum ist in der Musik ein richtiger Virus. Ich weiß, das gab es schon zu Deiner Zeit. Nur scheint es mir, als ob es nur noch ausschließlich mittlemäßige Epigonen in der heutigen Zeit gibt. Keiner hat zündende Ideen. Altes wird wieder aufgebrüht und verarbeitet. Der Brasilianer mischte also dieses Girl from Ipanema mit der Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen. Damit es nicht so konventionell ist, hat er die Königin der Nacht im Sopran gesungen. Naja. Ganz unterhaltsam, aber nicht der Brüller. Ich kann mir vorstellen, dass es einige Leute verstört, dass Männer wie Frauen singen. Stell’ Dir das mal vor: Ein Altus ist heute ein seltenes Tier!

Oh, und Du hättest mal sehen müssen, wie wohlerzogen die schlauen Leute auf dem Sofa über Deine “Leck mich am Arsch”-Kompositionen und -Briefe geredet haben. Jaja, “Fäkalsprache” und “Fäkalthemen” seien zu Deiner Zeit nichts Besonderes gewesen.

Und weißt Du was? Das war nicht die einzige Sendung über Dich. Du wirst inflationär in den Medien gehandelt. Dagegen war Schiller (ja, der war auch in Mannheim – jedoch erfolgreicher als Du… Sorry!) im letzten Jahr selten auf der Mattscheibe ein Thema.

Da erzählt dann ein Schlaumeier, dass Deine Musik an einigen Stellen biographisch sei, gerade wenn es dann mal nicht in Dur verfasst ist, der Nächste sagt: ‘Nein, nein, Mozarts Musik darf unter keinen Umständen biografisch verstanden werden, da blablablablablabla.’ Die Leute sind alle ganz geil darauf, zu wissen, wie es Dir ging. Ob Dein d-moll-Konzert eine Krise bedeutet oder ob das Requiem eine psychologische Offenbarung ist.

Mensch Wolferl, das hättest Du doch mal in einem Tagebuch oder so festhalten können. Dann müssten die Heinis das nicht andauernd in der Öffentlichkeit plattwalzen. :-)

Ich kann da nur den Kanon “Leck mich am Arsch” zitieren, weil das ganze Buhau ziemlich nervt.

Mir bleibt Dir noch zu sagen, dass Deine Musik Spaß macht. Ich spiele gerne Deine Sonaten, wobei ich gar nicht genau sagen kann, welche nun meine liebste ist. Alle haben die “jetzt geht es aber ab”-Momente. Auch Deine Klavierkonzerte sind die Wucht in Tüten. Klar mag ich das d-moll-Konzert besonders, weil da so schön die Post abgeht. Ich liebe es auch, Komm lieber Mai und mache… von Januar bis April zu singen, weil ich den Mai sehnsüchtig erwarte und kein anderes Lied mein Warten so ausdrückt.
Ach, und für den Figaro bin ich Dir besonders dankbar. Das Libretto hast Du klug gewählt. Und die Musik! Ich kann Dir gar nicht sagen, welches Geschenk Du mir damit gemacht hast… Allein schon die Ouvertüre bringt mein Blut zum Kochen. Aber wenn im Finale alles wieder in Reine kommt und alle gemeinsam singen…! Ich habe in meiner Studibude dieses Finale oft nachts mit Kopfhörern auf den Ohren am Fenster in die Welt hinausdirigiert. Dabei dachte ich immer, dass die Menschen, die diese Musik nicht kennen, sehr, sehr arm sind. Das denke ich übrigens immer noch. Aber danke, dass Du mich damit reich machst. Wieder und wieder.

So, jetzt aber genug.

Viel Erfolg kann ich Dir ja nicht mehr wünschen, denn den hast Du ja. Gesundheit ist auch schwierig, wenn man bedenkt, dass von Deiner Biomasse nicht mehr viel übrig ist. Daher wünsche ich uns beiden zu Deinem Geburtstag noch sehr viele schöne Stunden gemeinsamen Musizierens – Deine Noten, mein Spiel.

Deine Juju