Ich habe, wie ich finde, nette Klavierschüler. Alle sind lieb und geben sich Mühe. Diejenige, die mir im Sommer Kummer machte, hat sich richtig gut entwickelt. Ein Junge hat, nach anfänglichem Dümpeln, gestanden, dass er ABBA super fände. Seitdem er ABBA spielen darf, ist er glücklich, übt und macht Fortschritte.
Diese beiden Beispiele zeigen sowohl Eigenmotivationen als auch leichtes Hinterherseien der Eltern. Da machen die Kinder ordentliche, sagen wir mal: passable Fortschritte. Bei Kindern, deren Eltern sich neben der Eigenmotivation noch aktiver um die Übeeinheiten der Sprösslinge kümmern, klappt es hervorragend. Stücke sind immer geübt, Fortschritte kann ich von Stunde zu Stunde feststellen. Das ist der Traum.
Aber dann gibt es Kinder, die zwar lieb und wirklich süß sind, die jedoch das Instrument als zu groß geratenes Spielzeug ansehen. Die Eltern klemmen sich nicht genug dahinter, lesen nicht die Aufgabenhefte und können daher das Üben nicht gut begleiten. Und am Anfang ist das eben sehr wichtig. Wie soll denn ein siebenjähriges Kind aus sich heraus wissen, wie man gleichmäßig zählt, die Hand korrekt halten muss und die Tonnamen richtig lernt. Mit einmal pro Woche Unterricht klappt das nicht. Kinder brauchen anfangs eine “Übeassistenz”. Die Prinzipien, die ich ihnen wöchentlich zeige, müssen verinnerlicht werden. Dazu sind Eltern notwendig. Zehn Minuten am Anfang reichen doch – möglichst täglich. Und diese Zeit hat jeder Erwachsene. Wenn die Prinzipien des Übens automatisiert sind, sind Kinder auch meist in der Lage, selbstständig Probleme anzugehen und zu lösen.
Ich frage mich heute nach einem durchwachsenen Unterrichtstag, wieso letzteres von einigen Erwachsenen nicht respektiert wird. Sie üben doch auch Lesen und Schreiben mit den Kindern. Das Korrektiv ist nicht nur an solch einer Stelle angebracht. Kunst, und das scheint vielen nicht klar zu sein, sieht einfach aus, aber macht sehr viel Arbeit. Schönheit hat den Preis des Übens und Verbesserns.
Wenn Eltern in der Anfangszeit versäumen, Ihre Kinder beim Üben zu begleiten, führt es in den meisten Fällen dazu, dass das “zu groß geratene Spielzeug” von den Kindern entnervt in die Ecke geschmissen wird. Der Deckel wird für immer zu gemacht. Klavier verstaubt.
Das ärgert mich gewaltig.