
Wir sind im Flugzeug von Zhengzhou nach Jinan geflogen. Das war dann schon etwas mulmig, wenn man keine Rettungswesten hat, der Kapitaen einen selbst begruesst und der Flieger nur aus 13 Reihen besteht und man selbst in Reihe 13 sitzt. Naja, wir sind heil gelandet.
Das Gesetz der Dreierreihe hoffen wir nun essenstechnisch durchbrochen zu haben. Seit gestern Abend haben wir mit der Auswahl der Speisen irgendwie kein Glueck mehr. Zunaechst suchten wir in Zhengzhou ein vom Lonely Planet empfohlenes Restaurant, was es aber anscheinend nicht mehr gab. Die Suche nach der entsprechenden Hausnummer fuehrte zu nichts, weil es keine wirklichen Hausnummern dort gab. Keiner kannte zumindest seine entsprechende Nummer.

Also sind wir in irgendein Etablissement, das einigermassen aussah gegangen. Ungluecklicherweise haben wir nur Sachen ausgesucht, die man entweder vor Schaerfe oder vor aesthethischen Bedenken nicht essen konnte und wollte. Auch der letzte Akt der Verzweiflung
(Rindfleisch nicht scharf) war nicht erfolgreich – sehniges und zaehes Fleisch. Aber Bratreis kann auch etwas Gutes sein. Als jedoch ein kleiner Junge neben uns anfing auf den Boden zu pinkeln und die Lache expandierte, war auch der letzte Anflug von Hunger vorbei. 
Da wir dann heute morgen mal wieder kein Fruehstueck hatten, haben wir am Flughafen Zhengzhou etwas zu Mittag gegessen. Vertrocknete Baconstrefen mit Chili und Sichuanpfeffer, wonach wir Feuer spuckten. Nudelsuppe mit Krankenhauscharme und Huehnchen mit Erdnuessen, was nicht schlecht war aber beinahe im Fett davongeschwommen waere. 
In Jinan hatten wir schliesslich eineinhalb Std. Zeit bis unser Zug nach Taian fahren sollte. Die Zeit nutzen wir zur Nahrungsaufnahme in einer chinesischen Interpretation von Meckes: Happy Tom. Gleiche Farben und ein Clown als Zeichen wie McDonalds. Wir hatten es bei der Auswahl unserer Burger nicht leicht da alles solala auf der Karte aussah. Aber schließlich hatten wir unsere Bestellung aufgegeben. Fazit der Fast Food Erfahrung: Es geht nichts ueber einen guten McDonalds Burger. Und jetzt sitzen wir in unserem Hotelzimmer, dass angeblich ein Nichtraucherzimmer ist, aber im Teppich zahlreiche Brandflecken aufweist. Haben die Nichtraucher mal wieder aus angeweile
gekokelt, was?
In China haben wir mehrmals längere und kürzere Strecken mit den gewaltigen und ewig langen Zügen zurückgelegt. In jedem Reiseführer steht zwar, dass es kein Problem darstellt, für die erste Klasse Tickets zu bekommen. Im übrigen sei das auch die einzig empfehlenswerte Reiseklasse. Komischerweise haben wir nicht ein einziges Mal diese Klasse buchen können. Allerdings war die “Holzklasse” durchaus annehmbar. Vor allem war sie echt billig! Für die Strecke Xi’an – Luoyang beispielsweise haben wir ungefähr 6 EUR ausgegeben. Wahrscheinlich war es sogar noch weniger.

Das Einsteigen in den Zug ist bereits ein mittleres Abenteuer. Je mehr gedrängelt wird, desto besser. Und jede Generation macht da kräftig mit. Kaum hat sich dann der Zug in Bewegung gesetzt, fangen alle an, ihren Proviant auszupacken oder sich bei dem andauernd vorbeigeschobenen Esseswagen einzudecken. Das gilt nicht nur fuer lange Fahrten. Auch bei Strecken von einer Stunde werden die dick gepackten Plastiktueten ausgepackt und Kekse und allerlei seltsame Dinge gegessen. Reisen macht hungrig.
Instantnudelsuppen sind allgegenwaertig. Nach spaetestens 10 Minuten Fahrtzeit rennen zig Chinesen mit den Packungen durch den Zug um sich bei der Schaffnerin oder dem Schaffner heisses Wasser zu besorgen. Aber das ist ja nur der Anfang.

Auf der Reise nach Luoyang saß neben uns eine Familie mit einer kleinen Tochter. Die Mutter nahm einen Apfel und praeparierte diesen fuer die Kleine. Sie biss zunächst die gesamte Schale ab und schmiss diese weg. Erst als der Apfel komplett enthäutet war, durfte das Kind essen.
Froehlich schmatzten heute auf der Fahrt drei Chinesen auf Huehnerkrallen, die man im Zugkiosk eingeschweisst in Plastik erstehen kann, herum. Die Knorpel spuckten sie auf das kleine Tablett, das auf jedem kleinen Tischchen steht und wohl einzig diesen Zweck erfuellt. Die “mit mehr als 3 gr im Mund spricht es sich nicht gut”- Regel gilt uebrigens nicht. Laut schmatzend und diskutierend wurden die Krallen abgenagt, das es nur so eine Wonne war. Zwischenzeitlich kam dann mal wieder der Schaffner und fegte mit einem Reisigbesen den Boden. Das wird einmal stuendlich gemacht, und es ist erstaunlich wieviel Dreck da jedesmal zusammengeklaubt wird. Alles Essensreste.
Das Fressen steckt aber an. Wir decken uns jetzt auch schon vorsorglich mit Nudelsuppe am Bahnhof ein. Und das Essensangebot in den vorbeigeschobenen Wägelchen ist gar nicht schlecht. Die Gerichte haben uns bislang immer recht gut geschmeckt.


Heute haben wir gegen 22 Uhr etwas zu Essen gesucht, was sich als etwas komplizierter herausgestellt hat, da um die Zeit die meisten Restaurants bereits schliessen. Schliesslich fanden wir dann noch eines, welches sich auch vor uns nicht fuerchtete. In die Tische waren Gaskocher eingebaut. Man bekam einen Suppentopf und suchte sich fuer dieses Fondue die entsprechenden Zutaten aus. Allerdings war es kein Hot Pot wie in Beijing. Die Brühe war lange nicht so scharf. Mit Sprachführer (gab natürlich keine Karte in englisch) und Geduld haben wir dann eine Menge Zutaten bestellt: Gemüse, Fleisch, Tintenfisch und und und. War sehr lecker.
Zum Abschluss konnte man, wenn man wollte, den Nudelmann ordern. Der kam dann mit dem Teig und vollfuerte taenzerische Gymnastik mit Nudelteig, der dadurch zu einer langen Schnur wurde und dann im Topf verschwand. Abgefahren.
Waehrend wir da so saßen und von verschiedenen Mitarbeitern der Kneipe wie im Zoo bestaunt und beglotzt wurden, knisterten und knallten mehrmals die Stromleitungen. Nach und nach ging dann auch das Licht aus, wohl weil ab einer gewissen Uhrzeit in den Stadtteilen der Saft abgedreht wird. Im Dunklen sind wir wieder zu unserem feudalen Hotel zurueckgekehrt.
