Sushi Hongsam Wiesbaden

  • October 7, 2006 12:35

Bei Sakura Sushi ist die Auswahl solala, obgleich die Qualität gut ist. Nur Ika ist nicht so, wie man es kennt und mag. Bei Sushi-Edo lässt die Frische zu wünschen übrig und auch Sushi One macht es sich leicht und bereitet die Sushis schon weit im Voraus zu. :-(

Aber dann waren wir bei Sushi Hongsam in Wiesbaden und waren hocherfreut. Das Restaurant ist in koreanischer Hand. Der Chef ist der Sushi Meister Hongsam An und war bis zu seiner Selbstständigkeit im Frankfurter Marriot tätig. Vom Service kann nur positiv berichtet werden. Beispielsweise war es sehr kalt im Restaurant. Draußen goss es in Strömen, weshalb wir wie Espenlaub zitterten. Auf unsere Bemerkung hin wurde die Klimaanlage sofort ausgestellt. Die Bedienung war jederzeit dezent und freundlich.

Die Einrichtung ist sehr japanisch. Das bringt einen schon in Stimmung. Sushi Meister Hongsam steht hinter dem Tresen und bereitet das Essen frisch zu. Wenn man nicht am Tresen sitzen will, so gibt es auch Sitzplätze an Tischen. Die Speisenkarte umfasst neben Sushi, Maki und Sashimi allerdings auch andere japanische Spezialitäten wie beispielsweise Agemono, Yakimono und verschiedene Menüs. Sehr zur Freude eines Freundes gibt es dort auch Natto. Makis mit gegorenen Sojabohnen sind hierzulande nicht oft anzutreffen, da sie für unseren Gaumen recht gewöhnungsbedürftig sind.

Sushis auf dem Sushi-Schiff von Hongsam

Wir wählten das Hongsam Sushi Spezial, was sehr ansehnlich frisch auf einem Holzboot angerichtet wurde. Nach der Misosuppe erhielten wir einen kleinen Salat, einem Gruß des Meisters. Die Sushis waren von hervorragender Qualität. Da wir alle kräftig zulangten und auch nachbestellten, wurde uns schließlich noch eine weitere Kostprobe aus der Küche serviert: Muschel-Sashimi. Die Muschelart habe ich leider nicht behalten. Auch hier gab es an der Frische nicht auszusetzen. Guter Geschmack und hübsch aufgetragen.

Alles in Allem war unser erster Eindruck des Restaurants sehr gut. Die Qualität und Frische muss man natürlich bezahlen. Daher ist die Rechnung schon höher als in den oben aufgezählten Sushi-Bars. Das Geld sollte einem das Essen aber wert sein. Übrigens wird auch ein günstiger Mittagstisch angeboten.

Die Bars in der Wiesbadener Innenstadt meiden wir, da dort die Teller ziemlich lange um den Block kurven und deshalb nicht mehr anmachen. Was nutzt einem eine Circle Bar, wenn dort olles Sushi verkauft wird? Nichts. Daher plädiere ich eindeutig für Hongsam und kann dieses Restaurant wärmstens empfehlen. Hoffentlich werden wir dort noch lange Sushis essen können!

MoschMosch Mainz

  • September 27, 2006 17:55

Was in Japan uns gefallen hat, waren die Ramen-Shops. Nudelbars, wo man leckere Nudelsuppen, Gyoza und Bratreis auf die Schnelle essen kann. Die Nudeln werden natürlich vor Ort gemacht und wandern postwendend in den Kochtopf. Sowas hatte bislang hier gefehlt. Nicht nachvollziehbar, weil das Konzept gut und überzeugend ist.

Seit Frühjahr dieses Jahres gibt es aber den ersten japanischen Nudelladen hier vor Ort: das MoschMosch. Es scheint sich hierbei um einen Versuch zu handeln, eine Nudelbar-Kette aufzubauen. Der Ursprungsladen ist in Frankfurt ansässig.

Die Einrichtung ist schon recht nett: Stylish und mit viel Holz. Mir fällt irgendwie skandinavisches Design dazu ein. Ich empfinde die Atmo als ganz gelungen. Mit einer unromantischen Nudelbar in Japan hat das freilich nur wenig zu tun. Die Karte ist die europäische Interpretation des Ramen-Universums, aber ist auf den ersten Blick interessant. Neben Nudelsuppen gibt es eine Reihe an Bratvariationen und auch noch andere Dinge, die nicht unbedingt in das Nudel-Shop-Sortiment fallen. Zu meiner Freude gibt es dort Gyoza, Edamame und Kimchi.

Aber dann kamen die Nudeln. Und die waren eine große Enttäuschung. Die Köche nehmen ganz banale Spaghetti um die Suppen zu machen. Mit Ramen haben die Nudeln nichts gemein, außer dass sie auch lang sind. Aber das war es auch schon.

Somit hatte sich dann unsere Freude über einen “japanischen” Nudelladen wieder gelegt. Die Gerichte sind nicht schlecht. Das eine oder andere ist vielleicht eher langweilig von der Würzung. Aber schlecht ist die Qualität nicht zu nennen.

Warum werden bloß einfache, dicke und unflexible Spaghetti in die Suppe gepackt?

Und weshalb wird dann auch noch auf Papier erklärt, dass es sich um hausgemachte japanische Nudeln handelt?

Komisch. Ich habe da noch keine Köche wie in der japanischen Originalversion vor dampfenden Töpfen lange Nudeln herausfischen sehen…

Wer mal etwas anderes als den ewigen deutschen Chinesen aufsuchen möchte, gleichzeitig aber im Asia-Bereich bleiben will, der kann ruhig mal das MoschMosch aufsuchen. Beginnt man jedoch direkt mit Ramen-Shops zu vergleichen, kann man sich den Besuch sparen, da hiermit das MoschMosch nicht im Entferntesten mithalten kann.

Ich muss allerding ganz ehrlich gestehen, dass ich lieber den Weg zum genialen Vietnamesen Quan Van nach Wiesbaden auf mich nehme. Da kommt das MoschMosch nicht mit.

Apropos Nudeln: Abgefahren war der Nudelmann, den wir in einem Hot-Pot-Restau in China erlebt haben. Den sieht man übrigens auf dem Photo. Der Nudelprofi kam mit einem Teigkloß an den Tisch, zog diesen auseinander und wirbelte schließlich den Teig um sich herum wie eine russische Turnerin mit Gymnastikband. Eine coole Performance, die Aufmerksamkeit weckt. Wer möchte nicht auch mal eine ewig lange, meisterlich geschwungene Hula-Hoop-Nudel in seinem Topf haben?

Chartier Paris

  • January 26, 2006 11:18

Als Martin und ich vor drei Jahren in Paris waren, wollten wir auch schon bei Chartier essen. Meine Freundin Hélène hatte mir dieses Resto wärmstens empfohlen. Also sind wir dorthin, doch stand eine lange Schlange vor der Tür. Völlig überfüllt!!! Da es damals regnete, wir keinen Schirm hatten und recht hungrig waren, strichen wir die Segel. Doch dieses Mal hat es geklappt. es war Montag und daher nicht derartig voll.

Chartier ist nicht auf den ersten Blick zu sehen. In einer kleinen Seitenstraße, die sich Faubourg de Montmartre nennt (Man steigt bei Bonnes Nouvelles aus der Métro), liegt das Gebäude in der zweiten Reihe. Ein paar Pfeile weisen darauf hin, dass man erst durch einen Gang zum Innenhof gehen muss, um zu dem Restaurant zu gelangen.

Plötzlich ist dann ein wunderbar altes Restaurant zu sehen. Chartier ist eine große Halle mit hoher Decke, wunderbaren Fin-de-Siècle-Lampen und dunklem Holz. Die Tischreihen werden durch Gepäckstangen, auf die man Tüten und Mäntel legt, getrennt. Es hat etwas von einer Bahnhofshalle. Die Garcons sind in ihrer typischen Tracht mit langer weißer Schürze und Fliege. Und sie sind, ganz wie ich es mir vorstelle, nicht auf den Mund gefallen: Charmant und witzig mit einem Hauch von Süffisanz.

Chartier gibt es seit 1896. Die Preise sind wirklich günstig. Ein Entrée kann man schon für 2 Euro haben, die teuersten Plats sind bei 11 Euro angesiedelt. Die Küche ist rustikal und sehr französisch. Terrine de lapin, Escargots, Jambon de Bayonne, Tête de veau, Andouillette, Entrecôte, Tarte normande, Crème de marrons usw. Die Portionen können sich sehen lassen.

Der Garcon legt für die Bestellungen einen Merkzettel an, der unter die Tischdecke geklemmt wird. Zum Bezahlen wird die Papierauflage der Tischdecke zum Erstellen der Rechnung zweckentfremdet. Die Preise werden darauf schriftlich addiert – ein bisserl Mathe müssen die schon können! :-) Et voilà – l’addition!

Wir waren total begeistert. Früher sind dort wohl die Marktleute hingegangen. Chartier war die Suppenküche, weshalb es auch ursprünglich Bouillon Chartier heißt. Diesen Charme hat sich das Resto erhalten. Ich kann es nur wärmstens empfehlen!